Nachrichten

09.11.2018

Evangelische Frauen fordern umfassende Unterstützung von Opfern sexueller Gewalt im kirchlichen Bereich

Viel zu lange hat die Evangelische Kirche zum Ausmaß sexualisierter Gewalt im kirchlichen Bereich geschwiegen. Anlässlich der Mitgliederversammlung am 7./8. November 2018 in Hannover verabschiedeten die Mitglieder des bundesweiten Dachverbandes eine gemeinsame Erklärung. Die Evangelischen Frauen betonen: Es ist höchste Zeit, das Schweigen zu brechen, Schuld zu bekennen und Verantwortung zu übernehmen. Dies heißt zuerst: den Betroffenen zuzuhören und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. Ferner ist die Einrichtung einer angemessen finanzierten zentralen und unabhängigen Anlauf- und Beschwerdestelle unabdingbar.

"In Bezug auf Prävention sind die meisten Landeskirchen auf einem guten Weg", so die EFiD-Vorsitzende Susanne Kahl-Passoth. "Doch in der Begleitung der Betroffenen, die an erster Stelle stehen muss, und der Aufarbeitung des Geschehenen sind viele Landeskirchen unzureichend engagiert."

>>> Pressemitteilung vom 08.11.2018 "Die Zeit des Schweigens ist vorbei"

>>> Erklärung der Mitgliederversammlung Evangelische Frauen in Deutschland (EFiD)

>>> Pressemitteilung  vom 15.11.2018 "Ein großer Schritt nach vorn"

EFiD ist die Stimme evangelische Frauen in Kirche und Gesellschaft. Dem Dachverband gehören 40 Mitgliedsorganisationen - u.a. das FrauenWerk Stein und die krichengemeindliche Frauenarbeit der ELKB an.

 

Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beschließt umfangreiches Maßnahmenpaket zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im kirchlichen Bereich

Mit einem elf Punkte umfassenden Handlungsplan, der von den 120 Synodalen in Würzburg einstimmig beschlossen wurde, weitet die EKD die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt deutlich aus. Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen setzt die EKD vor allem auf eine bessere Prävention und die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für Betroffene. „Die Synode stellt sich dem Leid und dem Schmerz derer, die im Raum der evangelischen Kirche und der Diakonie sexualisierte Gewalt und Missbrauch erlitten haben“, so der Wortlaut im Beschluss. Weiter heisst es darin, dass die Synode gegenüber allen Betroffenen „die Schuld der ganzen Institution“ bekennt. Das von Rat und Kirchenkonfererenz entwickelte Maßnahmenpaket umfasst u.a. auch neue Studien, die die Ergebnisse aus den Landeskirchen zur Aufarbeitung der bereits bekannten Fälle mit einbezieht und spezifische Risikofaktoren für Machtmissbrauch in der Kirche aufzeigt sowie eine so bezeichnete Dunkelfeld-Studie, die erforscht, wie viele nicht gemeldete Fälle von sexualisierter Gewalt es gibt.

Hier finden Sie den >>>Elf-Punkte-Plan gegen sexualisierte Gewalt.

Mit eindrücklichen Worten wie erschütternden Beispielen schilderte Bischöfin Kirsten Fehrs in ihrem Bericht sexuellen Macht- und Vertrauensmißbrauch. Bischöfin Fehrs unterstrich dabei, dass bereits seit 2010 Kirche und Diakonie Maßnahmen der Prävention, Intervention und Hilfe ergriffen haben. Dies mit dem Ziel, „sich mit dem Leid der Betroffenen auseinanderzusetzen und Verantwortung für die Verfehlung der Institution zu übernehmen. Deutlich ausgebaut werden sollen nach Angaben von Fehrs die Maßnahmen zur systematischen Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche. Für die Umsetzung des 11-Punkte-Plans stellt die EKD 2019 rund 1 Million Euro bereit. Die EKD hat darüber hinaus einen fünfköpfigen Beauftragtenrat gebildet. Sprecherin des neuen Gremiums ist Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs.

Hier lesen Sie den ausführlichen >>>Bericht zur Synoden-Einbringung von Bischöfin Kirsten Fehrs.

Auf der Homepage der Evangelischen Kirche in Deutschalnd >>>Prävention – Intervention – Hilfe: Aktiv gegen sexualisierte Gewalt finden Sie ausführliche Informationen und Beratungsangebote.

Hinweise für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung durch beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitende im kirchlichen Dienst liefert ebenfalls die Broschüre >>>Hinschauen - Helfen - Handeln.

Über die Synode der EKD: Die Synode der EKD ist neben Rat und Kirchenkonferenz eines der drei Leitungsorgane der EKD. Die EKD ist die Gemeinschaft von 20 lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen.

RSS Abonnieren