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09.06.2016

Flüchtlingsfrauen in Bayern: Erstmals liegen Zahlen vor

Frauenwerk Stein e.V. fordert stärkere frauenspezifische Betreuung allein reisender weiblicher Geflüchteter

PRESSEMITTEILUNG

Stein, 9. Juni 2016 Die Notwendigkeit separater Unterkünfte und spezifischer Beratungsangebote für geflüchtete Frauen kann erstmals mit Zahlen belegt werden: Derzeit leben in Bayern 9297 allein reisende weibliche Geflüchtete, davon sind 4083 Frauen alleinerziehend. Demgegenüber stehen im Freistaat derzeit 33 Unterkünfte, die ganz oder teilweise Frauen und Kindern vorbehalten sind. Die Zahlen entstammen einem Antwortschreiben der bayerischen Staatsministerin Emilia Müller vom 20. Mai 2016. Die Anfrage wurde initiiert von der grünen Landtagsabgeordneten Verena Osgyan, die sich, gemeinsam mit Elisabeth Schwemmer vom internationalen Frauencafé in Nürnberg und Dr. Andrea König vom FrauenWerk Stein e.V. in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für die Belange geflüchteter Frauen einsetzt.

Über die genaue Anzahl der Plätze für allein reisende Flüchtlingsfrauen gibt das bayerische Staatsministerium in dem Schreiben keine Auskunft, deutlich wird jedoch, dass dieses Angebot längst nicht den Bedarf an geschütztem Wohnraum deckt. Wissenschaftliche Untersuchungen in der Münchner Bayernkaserne und im Klinikum Nürnberg haben ergeben, dass rund 40 Prozent der untersuchten Flüchtlingsfrauen und Kinder posttraumatische Belastungsstörungen aufweisen. „Frauen fliehen einerseits vor der traumatisierenden Situation im eigenen Land, andererseits erleiden sie oft weitere Traumatisierung auf dem Fluchtweg. Vergewaltigungen, Zwangsprostitution und andere Gewalterfahrungen sind keine Seltenheit“,  weiß Dr. Andrea König. „Wir fordern deshalb den Ausbau der Betreuungsangebote für geflüchtete Frauen, vor allem auch in der Traumabehandlung.“

Die psychosoziale Betreuung in den bayerischen Flüchtlingsunterkünften ist unzureichend. Der angestrebte Betreuungsschlüssel sieht eine Betreuerin bzw. einen Betreuer für maximal 150 Geflüchtete vor. Real liegt er in den meisten Unterkünften bei 1:400. Nach wie vor ist unklar, wer die Kosten bei der Unterbringung in einem Frauenhaus trägt. Zudem sind die Kapazitäten der bayerischen Frauenhäuser bereits ausgelastet, allein 2014 mussten 4200 bedürftige Frauen in Bayern abgewiesen werden. „Auch hier bedarf es dringend weiterer Maßnahmen“, fordert Dr. Andrea König.

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