Newsletter Nr. 16 - Juni 2016

An(ge)dacht

Liebe Leserinnen und Leser!

"Was fürchten sie nur die männlichen Amtsträger der Kirche? Haben wir zwei Evangelien, eins für die Männer und eins für die Frauen? Sind wir nicht eins in unserm Herrn?" Diese Fragen stellte 1535 Marie Dentière, die sich als eine der wenigen Frauen der Reformation auch theologisch zu Wort meldete. Wer hätte gedacht, dass fast 500 Jahre später diese Fragen wieder an Bedeutung gewinnen. Anfang Juni traf die Synode der lutherischen Kirche in Lettland den Beschluss, die – wie auch in Bayern – 1975 eingeführte Frauenordination wieder rückgängig zu machen. Die Synode untermauerte ihren Beschluss mit einem einzigen Satz, dem Paulusverdikt 'Das Weib schweige in der Gemeinde', das jahrhundertelang als Argument herangezogen wurde, um Frauen aus kirchlichen Angelegenheiten und Ämtern herauszuhalten. Zwar wird die Frauenordination innerhalb der lutherischen Konfessionsgemeinschaften global betrachtet nach wie vor sehr unterschiedlich gehandhabt, doch dass der bereits beschrittene Weg zur Frauenordination wieder rückgängig gemacht wird, ist erschreckend. Als evangelische Frauen haben wir uns in Bayern zusammengetan und unsere Stimme gemeinsam dagegen erhoben. Dennoch bleibt zu befürchten, dass die Diskussionen um die Legitimität des weiblichen Amtes auch in anderen Ländern wieder aufflammen werden. So bleibt es eine Aufgabe für uns Frauen, uns gemeinsam dagegen zu stellen, denn jegliche Kritik an der Frauenordination ist weder evangelisch noch lutherisch. Deshalb gilt: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin bei dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden. (Apg 18, 9-10)

Das Team der Fachstelle wünscht Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Ihre Dr. Andrea König

Gemeinsamer Protest gegen die Abschaffung der Frauenordination in Lettland

Frauen können in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands nicht mehr Pfarrerinnen werden. Die Synode der Kirche beschloss kürzlich in Riga die Abschaffung der Frauenordination, die dort – wie in Bayern – 1975 eingeführt worden war.

Der Konvent der Evangelischen Theologinnen in Bayern, das FrauenWerk Stein e.V. in der ELKB und der Dachverband Evangelische Frauen in Bayern stellen sich geschlossen gegen die Abschaffung der Frauenordination in Lettland. In einer gemeinsamen Stellungnahme äußern sie scharfe Kritik an dem Beschluss und schließen sich damit an die Aussage des Dachverbandes der Evangelischen Frauen in Deutschland EFiD an, dass Frauenordination untrennbar zur reformatorischen Botschaft gehöre.

In der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ist die Frauenordination etabliert. Mit der kurz nach der Lettischen Entscheidung ins Leben gerufenen Hashtag-Protestaktion auf Facebook #‎wearelutherans unterstützt die bayerische Landeskirche die Theologinnen in Lettland auch in den sozialen Medien. Die evangelischen Frauen rufen in ihrer Stellungnahme dazu auf, sich an der Aktion zu beteiligen.

Die vollständige Stellungnahme des Konvents der Evangelischen Theologinnen in Bayern, des FrauenWerks Stein e.V. in der ELKB und des Dachverbandes Evangelische Frauen in Bayern lesen Sie hier >>

Flüchtlingsfrauen in Bayern: Erstmals liegen Zahlen vor

Frauenwerk Stein e.V. in der ELKB fordert stärkere frauenspezifische Betreuung allein reisender weiblicher Geflüchteter

Die Notwendigkeit separater Unterkünfte und spezifischer Beratungsangebote für geflüchtete Frauen kann erstmals mit Zahlen belegt werden: Derzeit leben in Bayern 9297 allein reisende weibliche Geflüchtete, davon sind 4083 Frauen alleinerziehend. Demgegenüber stehen im Freistaat derzeit 33 Unterkünfte, die ganz oder teilweise Frauen und Kindern vorbehalten sind. Die Zahlen entstammen einem Antwortschreiben der bayerischen Staatsministerin Emilia Müller vom 20. Mai 2016. Die Anfrage wurde initiiert von der grünen Landtagsabgeordneten und Synodalin Verena Osgyan, die sich, gemeinsam mit Elisabeth Schwemmer vom internationalen Frauencafé in Nürnberg und Dr. Andrea König vom FrauenWerk Stein e.V. in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für die Belange geflüchteter Frauen einsetzt.

Die sich aus den Zahlen ergebenden Forderungen des FrauenWerks Stein wie die Gewährleistung von weiterem geschütztem Wohnraum und die Verbesserung der psychosozialen Betreuung entnehmen Sie unserer Pressemitteilung >>

Lesen Sie hier die neueste Stellungnahme von EFiD zum Thema >>

Das Programm für das 2. Halbjahr 2016 ist da!

Das 2. Halbjahresprogramm 2016 liegt ab sofort druckfrisch für Sie bereit. Sie können es bei uns kostenlos bestellen oder als PDF downloaden.

Besonders aufmerksam machen möchten wir auf den Fernstudiengang Theologie geschlechterbewusst der EKD, den die Fachstelle 2016 erstmals in Bayern in Kooperation mit Prof. Dr. Renate Jost und dem Lehrstuhl für Feministische Theologie und Gender Studies der Augustana-Hochschule Neuendettelsau anbieten wird. Der Studiengang startet im September. Näheres dazu auf Seite 11 und hier >>

Zudem arbeitet das Team der Fachstelle seit geraumer Zeit an einem Ausstellungsprojekt. Wir wollen die vielen Frauen, die im süddeutschen Raum an der Reformation mitgewirkt haben, ans Licht holen. Die Ausstellung wird erstmals im Dezember gezeigt und kann ab 2017 kostengünstig ausgeliehen werden. Detaillierte Infos finden Sie auf Seite 12 und auf unserer Homepage unter Wanderausstellung: Frauen der Reformation.

Anmelden können Sie sich über unsere Homepage oder mit dem Bestellzettel am Ende des Programms. Haben Sie Fragen? Dann kontaktieren Sie uns unter 0911 6806 142. Wir freuen uns auf Sie!

Hier geht es zum Programm >>

Wanderausstellung "Vom Dunkel ins Licht" ausgebucht in 2017

Unsere Ausstellung ist in 2017 bereits ausgebucht - sichern Sie sich Ihren Termin für 2018!

Frauen haben nichts zur Reformation beigetragen?
Frauen haben sich nicht am reformatorischen Streit beteiligt?
Frauen sind nicht schriftstellerisch tätig geworden?
Frauen sind allenfalls als Ehefrauen der Reformatoren in die Geschichte eingegangen?

Von wegen!

Die von der Fachstelle für Frauenarbeit konzipierte Wanderausstellung holt Frauen der Reformation vom Dunkeln ins Licht. Auf 15 Roll-Ups werden Frauen und ihr vielfältiges Mitwirken an der Reformation im süddeutschen Raum gezeigt. Zur Ausstellung gibt es einen Begleitband.

Für 2017 ist die Wanderausstellung bereits ausgebucht, die Ausstellungsorte finden Sie hier >>

Für 2018 stehen momentan noch zahlreiche Termine offen – schauen Sie in unserem Kalender nach und fragen Sie bei uns an!

Save the date: Am 2. Dezember 2016, von 18.00 Uhr bis 21.00 Uhr wird die Ausstellung erstmals im Festsaal des FrauenWerks Stein e.V. öffentlich präsentiert. Wir laden Sie ein zur feierlichen Auftaktveranstaltung mit Imbiss und interessanten Vorträgen! Der Eintritt ist kostenlos. Bitte melden Sie sich an, das erleichtert uns die Planung und sichert Ihnen einen Platz.

Anfragen an: f@frauenwerk-stein.de oder Tel. 0911 6806 142

Ausführliche Informationen zu unserer Wanderausstellung finden Sie auf unserer Homepage >>

Wittenberg zeigt 2017 die "Weltausstellung Reformation"

Auf dem Marktplatz der Lutherstadt ticken in einer "Countdown-Weltkugel" die rund 330 Tage bis zum Start der "Weltausstellung Reformation" im Jahr 2017 herunter. Die Schau soll 2017 in Wittenberg an 95 historischen Orten der Stadt gezeigt werden. Im demnächst komplett sanierten Augusteum findet zudem unter dem Arbeitstitel "95 Menschen - 95 Schätze" eine nationale Sonderausstellung zur Reformation statt.

Sieben sogenannte "Tore der Freiheit" laden Besucher vom 20.05. bis 10.09.2017 dazu ein, sich mit der Kirche, ihrem Glauben und der heutigen Lage der Welt auseinanderzusetzen. Jedes Tor hat einen bestimmten Themenbereich, zu dem es Informationen, Musikaufführungen, Theaterstücke, Vorträge und Diskussionen gibt. In 16 Themenwochen wird jeweils ein Themenbereich behandelt. Den Auftakt bildet eine Festwoche, die die Kirchentage auf dem Weg und den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg einbezieht.

Weitere Infomationen finden Sie hier >>

Vorbereitungsschulungen Weltgebetstag 2017 Philippinen - melden Sie sich an!

“Am I Being Unfair To You? Was ist denn fair?”

2017 führt der Weltgebetstag nach Südostasien in die Inselwelt der Philippinen. Mit über 100 Sprach- und Kulturgruppen sind die Philippinen ein Land der Vielfalt und Gegensätze. Die zentrale Bibelstelle des Gottesdienstes ist das Gleichnis der Arbeiter_innen im Weinberg (Matthäus 20, 1-16). Lassen Sie sich einladen, die Gottesdienstordnung kennen zu lernen und sich mit dem Land, seiner Kolonialgeschichte und der lebendigen Gegenwart vertraut zu machen. Philippinisches Essen, sowie philippinische Lieder, Rhythmen und Tänze runden das Wochenende ab.

Die ökumenischen Wochenendseminare und Studientage zur Vorbereitung des Weltgebetstages sind offen für Multiplikatorinnen aller christlichen Konfessionen in Bayern. Besonders an den Wochenendseminaren besteht genügend Zeit und Raum, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Termine finden Sie hier >>

Save the date: Am 16.10.2016 und am 30.10.2016 bieten wir als besonderes Highlight zum Weltgebetstag einen Besuch in der ev. philippinischen Gemeinde in Fürth an. Bitte melden Sie sich hierfür bei Interesse unabhängig von Ihrer Teilnahme am WGT-Wochenendseminar an! Hier geht es zur Anmeldung >>

Veranstaltungs-Highlight im Juli

"Alles in Luther" - Kabarett von und mit Karl-Heinz Röhlin und Ruth Röhlin

Am 1. Juli erheitern uns Karl Heinz und Ruth Röhlin mit einem Kabarett-Abend zu Luther. Für die kabarettistische Lutherforschung eröffnet das Programm der beiden verlockende Perspektiven. Topaktuell werden die Tagebücher der Katharina von Bora präsentiert, der Zölibat verteidigt und das Geschäft mit dem Ablass ökonomisch aktualisiert. Als Manager von "Reformation power" verlieren die Röhlins dabei den religiösen Markt nie aus dem Blick. Ihre Vorschläge zur Kirchenfusion und die Vermarktung Martin Luthers bringen die Kirche endlich auf Wachstumskurs und steigern die Theologieeffizienz. Neue Lutherlieder sowie ein Luther-Rap setzen musikalische Akzente. Dieses Kabarett weckt die Neugier und motiviert dazu, Luther von der heiteren Seite zu entdecken.

Termin: 01.07.16, 19:00 Uhr - 21:00 Uhr, Anmeldung hier >>

"ForGenderCare" forscht über das Verhältnis von Geschlecht und Fürsorge

Elf bayerische Forschungseinrichtungen haben sich zusammengetan, um die Verhältnisse zwischen Gender (Geschlecht) und Care (Fürsorge/Sorgearbeit/Pflege) zu untersuchen. Der Forschungsverbund ForGenderCare untersucht den Zusammenhang von Gender und Care theoretisch wie empirisch vor einem interdisziplinären Horizont. Zudem organisieren die Akteure Veranstaltungen rund um das Thema Gender und Care. Das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst fördert ForGenderCare mit 3,2 Mio. Euro für eine Laufzeit von 4 Jahren. Ein Besuch der Homepage lohnt sich >>

"Luther – das Projekt der tausend Stimmen" am 18. März 2016

Am 18. März 2017 wird in der Münchner Olympiahalle das Pop-Oratorium "Luther – das Projekt der tausend Stimmen" aufgeführt. Für die geplante Aufführung bildet sich ein Projektchor aus ca. 1.500- 2.500 Sängerinnen und Sängern, der das Pop-Oratorium "Luther“ in einem Projektzeitraum von circa sechs Monaten im eigenen Chor und bei gemeinsamen Proben einstudiert. Das Bühnenstück besteht aus 20 neu komponierten Liedern sowie traditionellen Chorälen. Die Stücke sind so angelegt, dass auch Laienchöre sie erlernen können und Spaß bei den Proben und der Aufführung haben. Die Anmeldung ist hier möglich >>

3. Ehrenamtskongress in Nürnberg vom 1. bis 2. Juli 2016

am 1. und 2. Juli 2016 findet zum dritten Mal der Ehrenamtskongress statt - für Menschen, die im Ehrenamt Verantwortung tragen oder hauptamtlich mit Ehrenamtlichen zusammenarbeiten. Für alle, die sich mit Engagement fachlich fundiert und praxisnah auseinander setzen. Der Kongress bietet praxisorientierte wissenschaftliche Fachvorträge, Workshops mit internationalen Bezügen und interessante Exkursionen. Und er bietet eine Plattform für Austausch und Vernetzung der Akteure aus den verschiedensten Engagementbereichen. Nähere Infos finden Sie auf der Homepage des Kongresses >>

Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel mit 89 Jahren gestorben

Wir bedauern den Tod der feministischen Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel. Sie starb am 7. Juni im Alter von 89 Jahren in Tübingen, wie die Familie dem Evangelischen Pressedienst (epd) bestätigte. Die aus dem westfälischen Herne stammende protestantische Wissenschaftlerin wurde international bekannt als eine der Pionierinnen der feministischen Theologie in Deutschland und als Autorin zahlreicher Bücher und Studien. Moltmann-Wendel erforschte die Frauen um Jesus, beschäftigte sich mit der Frauenbefreiung und kritisierte männliche Gottesbilder. Mit ihren Thesen zu einem frauenorientierten Abendmahlsverständnis hatte sie noch Mitte der 90er Jahre eine Kontroverse weit über ihre württembergische Landeskirche hinaus ausgelöst.

"Salz-auf-unserer-Haut"-Autorin Benoîte Groult ist tot

Die französische Schriftstellerin Benoîte Groult ist tot. Die Romanautorin und Feministin starb in der Nacht zum 21. Juni im Alter von 96 Jahren, wie ihre Familie mitteilte. Die gebürtige Pariserin arbeitete zunächst als Lehrerin und später als Journalistin, bevor sie begann, Bücher zu schreiben. Sie veröffentlichte vorwiegend sozialkritische, essayistische Texte zur Geschichte des Feminismus oder über die Diskriminierung der Frauen. Ihr Roman "Salz auf unserer Haut", der 1988 erschien, galt in Frankreich wegen seiner freizügigen, sexuellen Schilderungen lange Zeit als Skandal. Groult brachte der Roman jedoch die Anerkennung als eine der bedeutendsten Feministinnen Europas ein.

Es grüßt Sie herzlich

Bettina Möller
Öffentlichkeitsreferentin der Fachstelle für Frauenarbeit im FrauenWerk Stein e.V.

Impressum/Rechtliche Hinweise
Wir freuen uns darüber, wenn Sie uns weiterempfehlen. Wenn Sie Anregungen, Lob oder Kritik haben, wenden Sie sich bitte an f@frauenwerk-stein.de.
FrauenWerk Stein e.V. in der Evang.-Luth. Kirche Bayern, Fachstelle für Frauenarbeit
Deutenbacher Str. 1, 90547 Stein | Tel. (0911) 6806-0 | Fax (0911) 6806-177
Redaktion: Fachstelle für Frauenarbeit

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