Newsletter Nr. 24 - Juni 2018

An(ge)dacht

Liebe Leserinnen und Leser,

2018 ist ein besonderes Jahr. Es ist ein Jahr der Jubiläen. Seit 100 Jahren gibt es in Deutschland das Frauenwahlrecht, vor 100 Jahren verkündete Kurt Eisner den Freistaat Bayern und auch das FrauenWerk Stein blickt auf sein 85jähriges Bestehen zurück. Wussten Sie, dass Jubiläen auch im jüdisch-christlichen Kulturkreis eine besondere Rolle spielten? Das "Buch der Jubiläen" erzählt die gesamte Geschichte der Welt zwischen ihrer Erschaffung und der Übergabe der Gesetzestafeln am Sinai neu und datiert jedes Ereignis minutiös nach Jubiläen, Jahren, Wochen und Tage gemäß einer Einteilung, die Moses am Berg Sinai offenbart worden sein soll. Die Schrift, die wohl aus dem 2. Jahrhundert vor Christus stammt, wurde nicht in den biblischen Kanon aufgenommen. Sie zählt zu den sog. apokryphen Schriften. Darin wird nicht nur anders gezählt, sondern vor allem die Zahl 7 erfährt eine besondere Bedeutung. Eine Jahrwoche wird aus 7 Jahren bestehend definiert, ein Jubiläum aus 7 Jahrwochen und somit umfasst ein Jubiläum zusammengenommen 49 Jahre. Die Frauen, die vor 100 Jahren das Wahlrecht durchsetzten, hätten eine solch lang anhaltende Jubiläumsfeier durchaus verdient. Wir feiern zumindest im sommerlichen 7. Monat ein großes Jubiläumsfest auf dem Gelände in Stein und laden Sie gerne herzlich am 13. Juli 2018 dazu ein! Weitere Infos finden Sie in diesem Newsletter und auf unserer Homepage. Kommen Sie vorbei und feiern Sie mit uns mit. Wir freuen uns auf Sie!

Ihre Dr. Andrea König

Jubiläum: 85 Jahre FrauenWerk Stein

1933 beschlossen die evangelischen Frauenverbände in Bayern die Gründung einer „Mütterhilfe“. Nach dem Vorbild der schlesischen Frauenhilfe sollten erschöpfte Mütter in Evangelische Erholungsheime geschickt werden, um sich dort auszuruhen und neue Kraft für ihren anstrengenden Alltag zu gewinnen. Außerdem sollten Frauen bei Gemeindeabenden in Fragen von Hauswirtschaft und Erziehung unterrichtet werden, um ihre Rolle als Hausfrauen und Mütter zu unterstützen. Hinter dieser Initiative stand Dr. Antonie Nopitsch. Die promovierte Nationalökonomin hatte ihre Stelle als Lehrerin in der Ausbildung  evangelischer Fürsorgerinnen verloren und beschlossen, diese Idee von sinnvoller Präventionsarbeit zur Stärkung von Frauen und Familien auch in Bayern zu realisieren. Heute, 85 Jahre später, umfasst Frauenleben etliche Facetten zusätzlich: Familie und Partnerschaft, Beruf und Politik, Spiritualität und Gesundheit. Frauen sollen ihr Leben selbstbewusst gestalten können, gestärkt werden für ihre vielfältigen Aufgaben und ihre Ideen in die Gesellschaft einbringen. Von Frauen für Frauen gegründet und verantwortet, bündelt das FrauenWerk Stein e.V seither die Frauenarbeit in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern.

Am 13. Juli 2018 feiert das FrauenWerk Stein e.V. ab 15 Uhr mit einem öffentlichem Sommerfest sein 85. Jubiläumsjahr, 100 Jahre Frauenwahlrecht und die in Kürze bevorstehenden Kirchenvorstands- und Landtagswahlen.

>>>Einladungspostkarte 85 Jahre FrauenWerk Stein e.V.

Auszug Tagesprogramm

Interview auf dem roten Sofa mit Renate Schmidt (Bundesministerin f. Familien, Senioren, Frauen, Jugend a.D.), Eva Maria Popp (Unternehmensberaterin, Coach, Autorin), Dr. Kirsten Soyke (Vorsitzende Kuratorium Müttergenesungswerks), Verena Osgyan (MdL), Elisabeth Hann von Weyhern (Regionalbischöfin), Petra Guttenberger (MdL), Hedwig Schouten (Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg) u.a.

Konzert des Trios Manon & Co

Schwung- und swingvolle Musik aus den letzten Jahrzehnten - hören Sie vorab schon einmal rein >>>Damen-Jazzband Manon & Co.

Karten: 8,-€
Reservierung per Mail unter info@frauenwerk-stein.de oder telefonisch unter 0911 68060.

Folgende Einrichtungen des Frauenwerk Stein und Partnerverbände beteiligen sich mit einem bunten Programm zur Jubiläumsfeier:
Fachstelle für Frauenarbeit
Mutter-/Mutter-Kind Kliniken
Beratungs- und Vermittlungsstellen
Ev. Familienbildungsstätten
Tagungs- und Gästehaus Stein
Erfolgsfaktor Frau
Bundeskomitee Weltgebetstag
Dekanatsfrauenbeauftragte
Bündnis für Toleranz und Demokratie
Steiner Schloßgeister

Vorschau: Zeitungsprojekt der Fachstelle für Frauenarbeit zum Jubiläumsjahr

Nicht nur das FrauenWerk Stein begeht 2018 ein Jubiläum, die Einführung des Frauenwahlrechts jährt sich zum einhundertsten Mal und darüber hinaus stehen mit den Landtagswahlen am 14. Oktober und mit den nur eine Woche später stattfindenden Kirchenvorstandswahlen wichtige demokratische Basisentscheidungen nicht nur für Frauen an.

Anlässlich dieses gewissermaßen Großereignisses des (Super-)Wahljahres 2018 bereitet die Fachstelle für Frauenarbeit im FrauenWerk Stein e.V. ein Zeitungsprojekt vor. Den Blick in die Vergangenheit und auf das von und für Frauen Erreichte verbinden wir mit aktuellen Herausforderungen und den anstehenden Wahlen im politischen und kirchlichen Bereich. Die Zeitung wird historisch, informativ und unterhaltend. Zu Wort kommen Frauen und Männer aus Politik, Gesellschaft und Kirche. Neben Nachrichten, hard facts und Informationen sind auch Gastbeiträge und Interviews vorgesehen. Seien Sie gespannt!

Veranstaltungshighlights - Nicht verpassen!

Lieben Sie Musik und singen Sie gerne? Wie ist es stimmlich um Sie bestellt? Wünschen Sie sich manchmal Tipps, wie Sie sich Gehör verschaffen und Sie Ihre Stimme den jeweiligen Anforderungen entsprechend in Form bringen und gestalten können?

Zwei Veranstaltungshighlights der besonderen Art finden Sie im Juni und im Juli im Seminarangebot der Fachstelle für Frauenarbeit. Weiterführende Informationen und Online-Anmeldung hier:

Samstag, 09.06.2018 von 10.00 - 16.00 Uhr
>>>Singen macht Spaß, Singen tut gut - Wohlfühlsingen mit Liedern aus aller Welt

Samstag, 21.07.2018 von 10.00 - 17.00 Uhr und/oder
Sonntag, 22.07.2018 von 10.00 - 17.00 Uhr
>>>Frauenstimmen stärken und Liturgische Präsenz

Sichern Sie sich Ihren Platz!

Vorbereitungsseminare in Stein für den Weltgebetstag 2019 - Slowenien

© Weltgebetstag der Frauen – Deutsches Komitee e.V.

Der nächste Weltgebetstag (WGT) führt unter dem Motto "Kommt, alles ist bereit!“ (Lk 14,13-24) nach Slowenien. Gefeiert wird dann weltweit am Freitag, den 1. März 2019. Das Besondere in diesem Jahr: Bei den WGT-Seminarangeboten im Herbst werden zwei Landesreferentinnen aus dem slowenischen WGT-Komitee die Vorbereitungsarbeit unterstützen. Pfarrerin Corinna Harbig, Vorsitzende des Internationalen WGT-Komitees 2012-2017, wird an den Wochenendseminaren dabei sein und Vera Lamut, Koordinatorin der slowenischen Gruppe zur Erarbeitung des Gottesdiensttextes, ist bei den drei Studientagen anwesend.

 


Termine der Vorbereitungsseminare in Stein

1. Ökumenisches Wochenendseminar: 12. - 14.10.2018

2. Ökumenisches Wochenendseminar: 26. - 28.10.2018

1. Ökumenischer Studientag: 16.11.2018

2. Ökumenischer Studientag: 17.11.2018

3. Ökumenischer Studientag: 18.11.2018

Frauen aus Slowenien haben die Gottesdienstordnung verfasst für diesen Höhepunkt der weltweiten Frauenökumene. Lassen Sie sich einladen, diese Gottesdienstordnung kennen zu lernen und sich mit dem Land, seiner Geschichte und der lebendigen Gegenwart vertraut zu machen. Freuen Sie sich auf slowenisches Essen, Lieder, Rhythmen und Tänze!

Die ökumenischen Wochenendseminare und Studientage zur Vorbereitung des Weltgebetstages sind offen für Multiplikator*innen aller christlichen Konfessionen in Bayern.

Hier kommen Sie zur >>>Anmeldung und finden weitere >>>Informationen

WGT-Land Slowenien - ein Land zwischen Alpen und Adria

"So klein ist das Land", witzeln die Slowen*innen, "dass ein gut genährtes Huhn mit Leichtigkeit darüber hinwegfliegen könnte." Tatsächlich ist Slowenien nur halb so groß wie die Schweiz und wird von nicht mal zwei Millionen Menschen bewohnt. Mit seinen riesigen Wäldern und sauberen Gewässern zählt es zu den grünsten Gebieten in Europa. Angrenzende Länder sind Italien, Österreich, Ungarn und Kroatien. Die Vielfalt der Landschaften erstaunt: Gebirgsketten und verkarstete Plateaus, Höhlenlabyrinthe und glitzernde Seen, Weinstraßen und ein nicht gerade langes, aber doch bemerkenswertes Stück Küste. Die Hauptstadt Ljubljana ist die größte Stadt des Landes und das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum.

Slowenien ist ein Land mit einer jungen Demokratie und einem kommunistischen Erbe. Es ist das erste Land des ehemaligen Vielvölkerstaats Jugoslawien, das der EU beitrat. Seit 1991 ist es unabhängig, 2007 führte es den Euro ein. Slowenien ist katholisch geprägt, aber auch die evangelische Kirche spielt durch ihre liberalen Einstellungen und dadurch, dass sie sich bei aktuellen gesellschaftlichen Themen zu Wort meldet, eine Rolle. Corinna Harbig, Pastorin aus Slowenien und lange Jahre Vorsitzende des Internationalen WGT-Komitees, berichtet: "Der Weltgebetstag ist in Slowenien noch sehr jung. Erst seit 2001 wird er gefeiert und seit 2003 sind wir landesweit vernetzt. Gerade für die katholischen Frauen hat er viel an Befreiung gebracht und ist den Frauen hier sehr, sehr wichtig."

Im Fokus des Gottesdienstes zum Weltgebetstag 2019 aus Slowenien steht das Gleichnis vom Festmahl (Lk 14,13-24). "Angestoßen von den Frauen aus Slowenien, möchten wir uns auf den Weg machen, eine Kirche zu werden, in der mehr Platz ist und alle mit am Tisch sitzen. Dafür feiern wir den Gottesdienst 2019 "Kommt, alles ist bereit!" und es gibt in den nächsten Monaten spannende Aktionen!", so Irene Tokarski, Geschäftsführerin des Deutschen Weltgebetstagskomitees. Es ist für alle Platz!

Tourdaten der Wanderausstellung

Termine und Orte für Ihren Besuch der Ausstellung "Vom Dunkel ins Licht - Frauen der Reformation im süddeutschen Raum" der Fachstelle für Frauenarbeit:

  • 01.06. - 31.07.2018    Nürnberg, Evangelische Bank
  • 05.10. - 28.10.2018    Schwabach-Dietersdorf, Georgskirche
  • 21.10. - 04.11.2018    Heilsbronn, Evang.-Luth. Pfarramt Heilsbronn
  • 09.11. - 22.11.2018    Neunkirchen am Brand, Christuskirche

>>>Weitere Informationen zur Ausstellung und zu Vorträgen und Führungen finden Sie auf der Homepage der Fachstelle für Frauenarbeit

Sie wollen mehr erfahren? Hier können Sie sich den >>>Bestellcoupon für den umfangreichen Begleitband zur Ausstellung herunterladen. Einfach ausfüllen und per E-Mail f@frauenwerk-stein.de oder Fax  0911- 6806 177 an uns zurücksenden.

Preis: 10 Euro zzgl. Versandkosten (256 Seiten mit umfangreichem Bildmaterial)

Die Arbeit geht weiter: Nachlese zum Frauentag Care Ökonomie

"Radikal umdenken!" so der Titel des ersten Frauentages in Regensburg, der in Kooperation von Dekanat, evang. Bildungswerk, Katholischem Frauenbund, Diakonie und der Fachstelle für Frauenarbeit im FrauenWerk Stein e.V. stattfand und zum Thema Care Ökonomie viele neue und teils knackige Anstöße lieferte. "Weil Frauen den Löwenanteil unbezahlter Care-Tätigkeiten übernehmen", zog Referentin Ina Praetorius als Fazit, "müssten sie (…) weit mehr verdienen als Männer." Den Kampf für "gleichen Lohn für gleiche Arbeit" betrachtet sie als "lächerlich", denn "wir leisten nicht gleiche Arbeit, sondern viel mehr Arbeit". Letztendlich könne dieses Problem nicht mit ein paar mehr Krippenplätzen oder Vaterschaftsurlaub gelöst werden, sondern nur durch einen "Paradigmenwechsel". Man müsse "weg von der Geldzentrierung, hin zur Care-Zentrierung" der gesamten Wirtschafts- und politischen Ordnung. Die Veranstalter*innen bleiben dran am Thema und haben beschlossen, ein Forum zu gründen. Bereits im Juni plant das neu zu gründende "Forum Care" das nächste Treffen.

Informationen und Anmeldung unter >>>EBW Regensburg.

Ein Stück Weltausstellung in Stein: Olympia Fulvia Morata - Rondell

Die italienische Humanistin Olympia Fulvia Morata gilt - nicht nur innerhalb der bayerischen Kirchengeschichte - als herausragende Symbolfigur für die Gleichberechtigung der Frau. Zur Erinnerung: Im Reformationsjubiläumsjahr war die Evangelisch-Lutherische Kirche Bayern im Bayerischen Garten auf der Weltausstellung Reformation in Wittenberg vertreten. An sechs Inforondellen wurden Personen aus der bayerischen Kirchengeschichte vorgestellt – in Hörbeispielen, Videosequenzen oder Lesestücken. Das Inforondell zu Olympia Fulvia Morata ist nun seit diesem Frühjar im Garten des FrauenWerk Stein e.V. zu besuchen. Der Grundstein hierfür wurde bei der interaktiven Kunst-Mitmachaktion der Fachstelle für Frauenarbeit im Bayerischen Garten auf der Weltausstellung gelegt, bei der Besucher*innen halfen das Mosaik-Kunstwerk zu Argula von Grumbach, der ersten Reformatorin Europas, Stein für Stein zu gestalten. Mit den Verantwortlichen vor Ort und im Nachklang dieser publikumswirksamen Aktion kam es schnell zu der Übereinkunft, das Inforondell dem FrauenWerk Stein zu überlassen. Besuchen Sie das Rondell im Garten des FrauenWerk Stein und erfahren Sie mehr über das spannende und inspirierende Leben der italienischen Dichterin und humanistischen Gelehrten, Olympia Fulvia Morata!

Kirchenvorstandswahlen 2018: Machen Sie den Test!

Am 21. Oktober 2018 finden die Kirchenvorstandswahlen statt. Gemeinde miteinander leiten: Darum geht es in der Kirchenvorstandsarbeit. Sie ist eine evangelische Spezialität, denn im Kirchenvorstand beraten und entscheiden gewählte und berufene Ehrenamtliche gemeinsam mit Pfarrerinnen und Pfarrern auf Augenhöhe. In rund 1500 bayerischen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden mit rund 12.000 Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern lenken sie die Geschicke der Ortsgemeinde und beteiligen sich an der Leitung der Kirche.

Gestalten Sie Gemeinde mit und machen Sie den Test. Die Fachstelle für Frauenarbeit ruft alle Frauen auf, von ihrem aktiven und passivem Wahlrecht Gebrauch zu machen und Gemeinde mitzugestalten. Kirche braucht Sie!

>>>Hier können Sie den Test machen!

Blick in die anderen Landeskirchen - Teil I

Evangelische Kirche Mitteldeutschland (EKM)

In der Diskussion um Gleichstellung und geschlechtliche Vielfalt haben die Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland nach dem Beschluss der Landesynode zur Überarbeitung der EKM-Kirchenverfassung eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie die Überarbeitung unter Berücksichtigung einer geschlechtergerechten Sprache fordern. Lesen Sie hier die ausführliche >>>Stellungnahme .

Wieso braucht es eine geschlechtergerechte Sprache? Mit dem Feminismus ist auch das sprachliche Bedürfnis nach Gerechtigkeit in die Welt gekommen. Der Anspruch von Männern und Männlichkeit, das Allgemeine zu respräsentieren, und Frauen den Status des Partikularen zuzuweisen, wird nach wie vor bestritten, bleibt aber weiterhin im Großen und Ganzen eher folgenlos oder lediglich marginal umgesetzt. Männer sind nur ein Teil der Menschheit, und zwar ein spezifischer Teil, der nicht den Anspruch erheben kann, für Frauen zu sprechen. Das "Mitgemeintsein" von Frauen reicht nicht aus!

Prof. Dr. Luise Pusch fordert seit 30 Jahren eine geschlechtergerechte Sprache. Die Sprachwissenschaftlerin gilt als Mitbegründerin der feministischen Linguistik, ihre Aufsatz- und Glossensammlungen wie "Deutsch als Männersprache", "Alle Menschen wurden Schwestern", oder "Deutsch auf Vorderfrau" wurden zu Bestsellern. Auf das in diesem Kontext immer wieder angeführte Argument, ob die Verwendung geschlechtergerechter Sprache häufig nicht allzu umständlich sei, entgegnet sie: "Es kommt auf die Werte an. Wenn wir sprachliche Gerechtigkeit wollen, brauchen wir etwas anderes als das generische Maskulinum. Die Doppelform, also zum Beispiel "Professorinnen und Professoren", ist allgemein als gerecht anerkannt, aber natürlich viel umständlicher als das generische Femininum. Die Doppelform ist eigentlich nur ein Entgegenkommen gegenüber den Männern, weil sie dadurch nicht so in ihrer Identität verletzt werden wie Frauen durch das generische Maskulinum, das wir schon seit Jahrtausenden haben."

Demgegenüber stünde noch die Verwendung des Femininums: Diese ist erstens besser für Frauen und zweitens ist sie nur gerecht im Sinne des Rotationsprinzips - jetzt sind mal die Frauen dran - und drittens ist sie schlicht kürzer. "Ich bezeichne das generische Femininum schon seit 30 Jahren als Empathietraining für Männer," so Prof. Dr. Luise Puch, "damit sie mal eine Vorstellung davon entwickeln, was es eigentlich bedeutet, immer nur mitgemeint zu sein und eigentlich nie genau zu wissen, ob "Mann" mit "man" überhaupt gemeint ist."

Eine weitere interessante Möglichkeit mit eher subtilem und gleichsam konditionierendem Charakter ist beispielsweise das Vorgehen der Bundesgeschäftsführerin der Piraten, Marina Weisband, in ihren Vorträgen: Sie benutzt strikt die männliche Form, die sie allerdings mit weiblichen Bildern konterkariert.  Sie spricht also von "dem Politiker" und zeigt dabei Folien von einer Frau. Auf diese Weise erzwingt sie die gedankliche Anstrengung, die empirisch notwendig ist, um sich unter einem Maskulinum eine Frau vorzustellen. 

Es gibt also viele - mitunter gleichermaßen phantasievolle wie augenzwinkernde - Möglichkeiten der Ungerechtigkeit von Sprache ein Ende zu bereiten!

Praktische Tipps und Beispiele für eine gerechte Sprache liefert der Folder >>>"Sie ist unser bester Mann!".

Blick in die anderen Landeskirchen - Teil II

Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR)

Die Attraktivität von Gremien erhöhen und die paritätische Teilhabe fördern: Darauf zielen die Ergebnisse einer Studie der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Thema „Mehr Frauen in Leitungsgremien“. Mehr als 1.000 Personen beteiligten sich Ende 2017 an einer Online-Umfrage und an Interviews. Basierend auf ihren persönlichen Erfahrungen mit Gremienarbeit in der EKiR entwickelten sie eine Vielzahl von Handlungsempfehlungen, um mehr Frauen, insbesondere für Leitungsgremien, zu gewinnen und um die Gremienarbeit in der EKiR künftig insgesamt attraktiver zu gestalten.

Die Befragten wünschten sich eine Verbesserung der Sitzungskultur z.B. durch transparente Informationen, klare Kommunikationsregeln, eine gute Sitzungsvorbereitung und qualifizierte Moderation. Die Sitzungszeiten sollten kürzer und flexibler werden, auch könnten Telefon- oder Videokonferenzen den Zeitaufwand minimieren.

Die Entwicklung einer Kultur des „Dazukommens“ z.B. durch eine Willkommensmappe mit hilfreichen Informationen oder ein Patinnen- bzw. Patenmodell, bei dem gremienerfahrene Mitglieder Neue unterstützen, könnte die Bereitschaft zur Mitwirkung ebenso erhöhen wie das unverbindliche „Hineinschnuppern“ in Sitzungen.

Kritik gab es vor allem bei Nominierungsverfahren: Diese werden oft als wenig transparent empfunden. Da den Nominierungsausschüssen jedoch eine Schlüsselrolle bei der Besetzung von Gremien zukommt, sollten diese geschlechterparitätisch besetzt sein und insbesondere für Geschlechterstereotype und unbewusste Vorurteile sensibilisiert sein.

Gute Erfolge von Mentoringprogrammen für Frauen in anderen Landeskirchen oder in der öffentlichen Verwaltung ermutigen dazu, Mentoring auch in der EKiR einzuführen, mit begleitenden Schulungen. Ein solches Angebot könnte sich sowohl an ehren- als auch an hauptamtlich Engagierte wenden.

Hier finden Sie den gesamten >>>Bericht, ebenso eine kurze >>>Übersicht möglicher Maßnahmen.

Die Studie lieferte somt wichtige Erkenntnisse und kann als gelungene Inspiration mit Vorbildcharakter gesehen werden. Allein die Ergebnisse in der Umsetzung werden eine nachhaltige Bewertung erlauben!

Informationen und aktuelle Zahlen zur Gleichstellung in den einzelnen Landeskirchen der EKD finden Sie hier:
>>>Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Evangelischen Kirche in Deutschland

Bleiben Sie am Ball: Tipps für die Gemeindearbeit

Die Evangelische Medienzentrale hat anlässlich der Fußball-WM 2018 unter dem Motto "Rund um den Ball" Medien für Unterricht, Weiterbildung und die Jugendarbeit zusammengestellt. Hier finden Sie spannende, lustige und auch traurige Geschichten, die an die Fußballbegeisterung von jungen Menschen in aller Welt anknüpfen, und auch die Frage nach dem Fußball als Religionsersatz wird thematisiert.

Planen Sie in der Gemeinde Veranstaltungen, bei denen eventuell WM-Spiele gemeinsam angeschaut werden? Unter dem folgenden >>>Link finden Sie die entsprechenden Rahmenbedingungen für public viewing-Veranstaltungen von Kirchengemeinden sowie die von der GEMA veröffentlichten Vergütungssätze.

Hier geht es zum Download der Medienliste >>>"Rund um den Ball".

Besonders empfehlenswert:
Adelante Muchachas! — Mädchenfussball in Honduras
33 Minuten, Dokumentarfilm, Erika Harzer, Deutschland 2004
Spanisch, Deutsche Untertitel
Vier junge Mädchen aus Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, stammen aus völlig unterschiedlichen Lebensumständen und -welten und würden im Alltag nie aufeinander treffen. Seydi und Wendi leben in den Armenvierteln, kennen Gewalt und Vorurteile gegen Frauen aus nächster Nähe und spielen im Team von Compartir. Cristel und Kenia stammen aus der Mittelklasse, besuchen Privatschulen und führen auch sonst ein eher abgeschottetes und abgeschirmtes Leben. Alle vier teilen jedoch ihre Hingabe zum Fußballspiel und auch die Träume, in dieser männerdominierten Sportart erfolgreich zu sein.

Personalia

Cindy Easler, die seit 2017 im Sekretariat der Fachstelle für Frauenarbeit im FrauenWerk Stein e.V. tätig ist, geht zum 1. Juni 2018 in den Mutterschutz und anschließend in die Elternzeit. Neben den allgemeinen Sekretariatsaufgaben war Cind Easler darüber hinaus für die Koordinierung und Planung unserer Ausstellung "Vom Dunkel ins Licht - Frauen der Reformation im süddeutschen Raum" zuständig und betreute desweiteren auch das Sekretariat für das Team der Pfarrfrauen. Für ihre bisherige engagierte Arbeit dankt ihr insbesondere die Fachstelle für Frauenarbeit im FrauenWerk Stein e.V. sehr und wünscht ihr für die kommende spannende Zeit alles Gute.

Ulrike Knörlein, Referentin der Fachstelle für Frauenarbeit, wird sich ab Mitte Juni einer neuen beruflichen Herausforderung stellen und eine Tätigkeit in der Seniorenarbeit der Diakonie Neuendettelsau übernehmen. Seit September 2014 war sie als Referentin der Fachstelle für den Bereich der Dekanatsfrauenbeuaftragten in der Evang-Luth. Kirche in Bayern zuständig. So koordinierte und plante die studierte Theologin zahlreiche Veranstaltungsangebote im Bereich Weiterbildung, Theologie und Ökumene wie auch die jährlich im Herbst stattfindende Steiner Jahreskonferenz. Bis 2017 verantwortete sie die zweimal jährlich erschienene Publikation "Steiner Lose Blätter". Darüber hinaus war sie als Referentin mit einer Vielfalt an Vorträgen bei zahlreichen Veranstaltungen und schärfte dabei stets die spezifische Wahrnehmung von Frauenthemen. Das FrauenWerk Stein, insbesondere die Fachstelle für Frauenarbeit, dankt Ulrike Knörlein für ihr herausragendes Engagement und wünscht Ihr bei der neuen Aufgabe viel Erfolg und alles Gute.

 

Es grüßt Sie herzlich 

Ihre Claudia Schweneker
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

Impressum/Rechtliche Hinweise
Wir freuen uns darüber, wenn Sie uns weiterempfehlen. Wenn Sie Anregungen, Lob oder Kritik haben, wenden Sie sich bitte an f@frauenwerk-stein.de.
FrauenWerk Stein e.V. in der Evang.-Luth. Kirche Bayern, Fachstelle für Frauenarbeit
Deutenbacher Str. 1, 90547 Stein | Tel. (0911) 6806-0 | Fax (0911) 6806-177
Redaktion: Fachstelle für Frauenarbeit

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