Newsletter Nr. 25 - Oktober 2018

An(ge)dacht

Liebe Leserinnen und Leser,

bei einer Freundin im Büro hängt eine Postkarte, die ein schwarz-weiß Foto aus dem Büroalltag der 1950er Jahre zeigt: Männer im Anzug und Frauen als Sekretärinnen vor einem großen Aktenregal. Darüber steht "Wir sind alle für den Fortschritt, vorausgesetzt, dass alles beim Alten bleibt." Ich muss schmunzeln, denn ja so ist das: Fortschritt, Veränderungen - in der Regel verursachen sie erst einmal Abwehr. Das ist wie bei einem Körper, den man vom Ruhezustand in die Bewegung bringen will, z.B. durch Beschleunigung. Hier greift das pysikalische Gesetz der Trägheit. Wir spüren das, wenn wir z.B. im Auto bei Beschleunigung in den Sitz gedrückt werden. Ein Körper möchte nicht verändert werden, sondern an seinem Platz bleiben. Und ihn in Bewegung zu bringen, ihn zu verändern, macht Mühe, kostet Energie und macht Arbeit. Veränderung ist unbequem. Und doch wissen wir auch: Ohne Veränderung geht es nicht. Auch schon Jesus musste sich damit auseinandersetzen. Viele meinten: Es soll alles beim Alten bleiben. Die Menschen um ihn merkten, dass bei ihm Vieles anders lief. Aber sie wollten das nicht unbedingt. Jesus machte aber deutlich: Mit mir ändert sich alles. Und in dieser Bewegung stehen wir als Christinnen und Christen mit drin. Christsein heißt, in ständiger Veränderung zu leben, unterwegs zu sein, gespannt zu sein, auf das, was sich verändert und kommt. Mit Christus können wir auch mühevolle Veränderungen angehen. Denn er ist es, der sagt: "Siehe, ich mache alles neu!" Auch für uns in der Fachstelle für Frauenarbeit stehen Veränderungen an. Ab 1.1.2019 werden wir nicht mehr im FrauenWerk Stein sein, sondern im Amt für Gemeindedienst. Vieles wird neu. Klar ist: Die Frauenarbeit wird weitergehen und wir wollen Neues ausprobieren. Mit Christus blicken wir zuversichtlich in die Zukunft und wünschen uns, dass Sie diesen Weg mit uns gehen!

Ihre Dr. Andrea König

Im FrauenWerk Stein geht die Frauenarbeit weiter

1933 beschlossen die evangelischen Frauenverbände in Bayern die Gründung einer „Mütterhilfe“. Nach dem Vorbild der schlesischen Frauenhilfe sollten erschöpfte Mütter in Evangelische Erholungsheime geschickt werden, um sich dort auszuruhen und neue Kraft für ihren anstrengenden Alltag zu gewinnen. Außerdem sollten Frauen bei Gemeindeabenden in Fragen von Hauswirtschaft und Erziehung unterrichtet werden, um ihre Rolle als Hausfrauen und Mütter zu unterstützen. Hinter dieser Initiative stand Dr. Antonie Nopitsch. Die promovierte Nationalökonomin hatte ihre Stelle als Lehrerin in der Ausbildung  evangelischer Fürsorgerinnen verloren und beschlossen, diese Idee von sinnvoller Präventionsarbeit zur Stärkung von Frauen und Familien auch in Bayern zu realisieren. Heute, 85 Jahre später, umfasst Frauenleben etliche Facetten zusätzlich: Familie und Partnerschaft, Beruf und Politik, Spiritualität und Gesundheit. Frauen sollen ihr Leben selbstbewusst gestalten können, gestärkt werden für ihre vielfältigen Aufgaben und ihre Ideen in die Gesellschaft einbringen.

Zum Ende des Jahres wird nach landeskirchlicher Entscheidung nun zwar der Aufgabenbereich der gemeindebezogenen kirchlichen Frauenbarbeit an das Amt für Gemeindedienst übertragen und somit die bis dato im FrauenWerk Stein ansässige Fachstelle für Frauenarbeit aufgelöst, doch von Frauen für Frauen gegründet und verantwortet, bündelt das FrauenWerk Stein weiterhin vielfältig und weit verzweigt Frauenarbeit. In sieben Aufgabenbereichen ist das FrauenWerk Stein mit seinen Schwestergesellschaften bayernweit an den Standorten Stein, Nürnberg, Aschau, Oberstdorf und München vertreten. Rund 150 Miterbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich für die Gäste, Teilnehmer*innen, Rat- und Hilfesuchenden und Patientinnen. Das FrauenWerk Stein tritt selbst bzw. als Trägerin der gemeinnützigen Gesellschaften ein für die Familien- und Erwachsenenbildung, die Beratung und Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen, die Frauen- und Familiengesundheit und für Begegnung und Austausch. Frauen stärken, Beziehungen gestalten, Horizonte weiten, so das Leitbild und Ziel wie Frauenarbeit im FrauenWerk Stein mit gewohntem Engagement fortgeführt wird.

Bericht von der Bundeswerkstatt zum Weltgebetstag 2019

Mit gut 65 Teilnehmerinnen, darunter einige Frauen aus unseren osteuropäischen Nachbarländern, fand in diesem Jahr eine ganz besondere Bundeswerkstatt statt, direkt vor Ort im Weltgebetstagsland 2019: Slowenien! Allein die Zugfahrt von München in die größte slowenische Stadt und zugleich Hauptstadt Ljubljana ist eine Empfehlung wert. Das mediterrane Ljubljana ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Sloweniens und kann sich seit 2016 mit dem Ehrentitel "Reformationsstadt Europas" schmücken, verliehen durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa.

Der Weltgebetstags-Spirit war intensiv zu spüren – es war eine tolle Gemeinschaft und ein herzliches Willkommen. Es wurde das malerische Städtchen Piran und die spektakulären Höhlen von Skocjan besucht, leckeres Essen durfte genossen werden – zum Beispiel Potica –, verschiedene Projekte im Land konnten näher kennengelernt und in Augenschein genommen werden und schließlich trafen die Teilnehmerinnen auch die Landesreferentin für die WGT-Seminare in Stein Vera Lamut.

Unsere Teilnehmerinnen der WGT-Seminare dürfen gespannt sein, wenn es im Oktober und November heißt: Alles ist bereit! An dieser Stelle noch einmal der Hinweis, dass in diesem Jahr ALLE Seminare zum Weltgebetstag 2018 stattfinden (im Januar wird es KEINEN Studientag geben)

Termine der Vorbereitungsseminare in Stein:

>>>1. Ökumenisches Wochenendseminar am 12. - 14.10.2018


>>>2. Ökumenisches Wochenendseminar am 26. - 28.10.2018 (ausgebucht!)

>>>1. Ökumenischer Studientag am 16.11.2018

>>>2. Ökumenischer Studientag am 17.11.2018


>>>3. Ökumenischer Studientag am 18.11.2018


Die ökumenischen Wochenendseminare und Studientage zur Vorbereitung des Weltgebetstages sind offen für Multiplikator*innen aller christlichen Konfessionen in Bayern.

Hier finden Sie Informationen zu dem neuen >>>Material zum Weltgebetstag 2019 Slowenien, das über die >>>WGT-Homepage bezogen werden kann.

Wanderausstellung - Termine und Orte

Termine und Orte für Ihren Besuch der Ausstellung "Vom Dunkel ins Licht - Frauen der Reformation im süddeutschen Raum" der Fachstelle für Frauenarbeit:

  • 05.10. - 29.10.2018    Schwabach-Dietersdorf, Georgskirche
  • 21.10. - 04.11.2018    Heilsbronn, Evang.-Luth. Pfarramt Heilsbronn
  • 09.11. - 22.11.2018    Neunkirchen am Brand, Christuskirche

>>>Weitere Informationen zur Ausstellung und zu Vorträgen und Führungen finden Sie auf der Homepage der Fachstelle für Frauenarbeit

Sie wollen mehr erfahren? Hier können Sie sich den >>>Bestellcoupon für den umfangreichen Begleitband zur Ausstellung herunterladen. Einfach ausfüllen und per E-Mail f@frauenwerk-stein.de oder Fax  0911- 6806 177 an uns zurücksenden.

Preis: 10 Euro zzgl. Versandkosten (256 Seiten mit umfangreichem Bildmaterial)

Jubiläumszeitung der Fachstelle ist da!

"Der Blaustrumpf", eine Zeitungs-Sonderausgabe der Fachstelle für Frauenarbeit im Vintage-Design bewußt an historische Vorbilder angelehnt, ist anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Frauenwahlrecht sowie 85 Jahre FrauenWerk Stein erschienen. Für die politische Gleichstellung von Frauen und Männern und für den Weg in eine gerechte Demokratie markiert die Jahreswende 1918/19 einen bedeutenden Einschnitt in der deutschen Geschichte. Im November 1918 wurde in Deutschland das Frauenstimm- und -wahlrecht eingeführt. Dem vorausgegangen war ein langer und zäher Kampf zahlreicher Frauen und Frauenvereine. In Deutschland war es Louise Otto (später Otto-Peters), die in der Zeit der bürgerlichen Revolution von 1848 die Erste war, die sich für ein Wahlrecht der Frauen aussprach. 1849 gab sie die erste politische Frauenzeitung in Deutschland heraus.

Vor dem Hintergrund der Jubiläen und den bevorstehenden Landtags- und Bezirktagswahlen in Bayern wie auch den Kirchenvorstandswahlen in der ELKB geht es mehr denn je um Fragen von gerechter Teilhabe und Demokratie. "Der Blaustrumpf" wirft einen Blick auf gegenwärtige Fragestellungen und künftige Herausforderungen. An der Ausgabe dieser Sonderzeitung sind u.a. beteiligt: Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Claudia Roth, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die FAZ-Journalistin Kübra Gümüsay, der Kabarettist Volker Heißmann, die Autorin Julia Korbik, der Redakteur und Social Media Manager von Pinksstinks Marcel Wicker u.v.m..

Ist Ihr Interesse geweckt? Hier finden Sie einige Leseproben:

>>>aus der Rubrik Kirche

>>>aus der Rubrik Politik

>>>aus der Rubrik Kultur.

Es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz... - Wahlwerbespot zur Kirchenvorstandswahl 2018

Die Dekanate Erlangen, Fürth, Nürnberg und Schwabach haben einen gemeinsamen Wahlwerbespot für die Kirchenvorstandswahl 2018 herausgebracht. Seit Donnerstag, 20. September 2018 ist er in vielen Kinos der Region für vier Wochen zu sehen. Zusätzlich und über diesen Zeitraum hinaus  kann der Spot auch online angeschaut werden.

Hier geht es zum >>>Wahlwerbespot für die Kirchenvorstandswahl 2018.

Es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz. 2,13 Millionen Protestant*innen sind am 21. Oktober zur Wahl aufgerufen. Tatsächlich machen weniger als 20 Prozent von diesem Wahlrecht Gebrauch. In den rund 1500 Kirchengemeinden werden über 11.000 Ehrenamtliche von den Gemeindemitgliedern in den Kirchenvorstand gewählt. Eigentlilch ein bemerkenswertes basisdemokratisches Instrument, denn schließlich verfügt der Kirchenvorstand (KV) über ein prinzipiell breites Mitbestimmungsrecht und leitet die Gemeinde mit. Die Aufgaben des KV umfassen Personalfragen wie die Besetzung einer Pfarrstelle oder Diakon*instelle, alle baurechtlichen Fragen wie Sanierung oder Neubau. Der KV legt die inhaltlichen Schwerpunkte der Gemeinde fest, er entscheidet, wofür das Geld der Gemeinde verwendet werden soll. Zudem werden aus dem Team des Kirchenvorstandes Mitglieder in die regionalen Kirchenparlamente wie die Dekanatssynode geschickt, und in die Landessynode, die halbjährlich tagt. Tatsächlich sehen sich allerdings viele Gemeinden ähnlichen Problemen ausgesetzt, dazu gehören die Fragen nach der Reichweite über den Kern der Gemeinde hinaus, dem Amtsverständnis und dem strukturellen Rahmen dieses oft zeitintensiven Ehrenamtes. Zahlreiche Kirchenvorsteher*innen engagieren sich nach Kräften und stoßen dabei nicht selten an die Grenzen ihrer Kräfte und Ressourcen. Der evangelische Kirchenprofessor Herbert Lindner empfiehlt, Kirchenvorsteher*innen adäquat zu begleiten und zu bestärken, für fehlende Kompetenzbereiche externe Hilfe einzufordern. Denn sicherlich gibt es in jeder Gemeinde oft Menschen, die zwar nicht bereit sind, sich gleich für 6 Jahre auf das Amt im Kirchenvorstand festzulegen, die jedoch eine erkennbare Breitschaft besitzen, sich aktiv in die themen- und/oder projektorientierte Arbeit mit ihren jeweiligen Kompetenzen gewinnbringend miteinzubringen.

Im Übrigen dürfen alle Kirchenmitglieder ab 16 Jahren und Jugendliche, die schon konfirmiert sind und das 14. Lebensjahr abgeschlossen haben, wählen. Gewählt werden kann auch per Briefwahl. Die Briefwahlunterlagen können beim jeweiligen Pfarramt formlos schriftlich oder mündlich angefordert werden. Einige Gemeinden verschicken die Unterlagen auch automatisch an ihre Mitglieder.

So funktioniert die Briefwahl >>>Infografik.

2014 betrug der Frauenanteil in den Kirchenvorständen der Gemeinden in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern 46 Prozent. Das bedeutet eine Veränderung von plus 12 Prozentpunkten gegenüber den Jahren 1988-1991. Dieser Indikator gibt auf folgende Aspekte Hinweise: 1. Die Entwicklung der Geschlechterverteilung in Leitungsgremien auf Parochialebene. Und 2. Die Bereitschaft, in der Gemeindeleitung mitzuwirken.

 

Zur anstehenden Wahl der Dekanatsfrauenbeauftragten

Für die Wahl der Dekanatsfrauenbeauftragten, die nach der KV-Wahl stattfindet, wurde eine neue Wahlordnung verabschiedet. Die Dekanante erhalten hierfür gegenwärtig von der Landeskirche ein Anschreiben mit dem Hinweis nach Möglichkeit eine Wahl durchzuführen. Denn laut §1, Abs. 2 in der Verordnung über die Wahl der Dekanatsfrauenbeauftragten können diese auch vom Dekanatsausschuss ernannt werden. Im Anschreiben der Landeskirche wird nachdrücklich auf die Bedeutung einer tatsächlich durchgeführten Wahl hinsichtlich der Legitimation und Motivation für die Dekanatsfrauenbeaufragten und der Wahrnehmung ihrer Aufgaben hingewiesen.

Die ehrenamtlich tätigen Frauen, derzeit ca. 180 Frauen in ganz Bayern, verstehen sich als Interessenvertretung und Ansprechpartnerinnen für Frauen in Kirche und Gesellschaft im jeweiligen Dekanat in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Sie greifen gesellschaftliche und frauenpolitische Themen auf und bringen diese in die Öffentlichkeit, veranstalten Themengottesdienste und ermutigen Frauen in den Gemeinden vorhandene Möglichkeiten von Fortbildungsangeboten zu nutzen und Frauenbelange in Gremien einzubringen. Wahlberechtigt sind alle Kirchenvorsteherinnen und Ersatzkirchenvorsteherinnen.

Ökumenischer Frauentag

Die Dekanatsfrauenbeauftragten der Prodekanate organisieren in Kooperation mit der katholischen Frauenseelsorge einen Ökumenischen Frauentag. Unter dem Motto "Lebenslinien" findet dieser am Samstag, 10. November 2018 von 14.00 bis 18.30 Uhr im Olympiadorf in München statt.

Hinweise zum Programm und Anmeldungsmodalitäten entnehmen Sie bitte dem >>>Veranstaltungsflyer.

Friedensnobelpreis 2018 - Signal gegen Mißbrauch

Die irakische Menschenrechtsaktivistin und Jesidin Nadia Murad und der kongolesische Arzt Denis Mukwege werden für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt als Kriegsmittel in bewaffneten Konflikten ausgezeichnet. Zu der Frage, wem der Friedensnobelpreis gebührt, formulierte Alfred Nobel einst, "dem, der am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen gewirkt hat." Mit der jungen Jesidin und dem kongolesischen Gynäkologen geht der Preis nun an zwei Menschen, die in ihren je eigenen Biografien Unvorstellbares erleben mussten. Der Friedensnobelpreis 2018 ist vor allem damit eines in diesem Jahr: ein Menschenrechtspreis für zwei Menschen, die aus unterschiedlichen Regionen der Welt stammen und die es sich zur Aufgabe gemacht haben, sexuelle Gewalt besser sichtbar zu machen und dies vor allem auch ungeachtet all der Risiken und der Bedrohung für das eigene Leben. So entging Denis Mukwege 2012 nur knapp einem Anschlag und Nadia Murad erhielt noch nach ihrer gelungenen Flucht Drohungen. Auch in Deutschland sind Jesidinnen nicht hundertprozentig sicher. Viele von ihnen werden weiter bedroht und beschimpft oder haben  Angst, weil sich Familienmitglieder noch in Gefangenschaft der Terrormiliz des sog. IS befinden. Zuletzt sorgte der Fall einer Jesidin in Schwäbisch Gmünd für Aufsehen, die berichtete, sie habe ihren IS-Peiniger erkannt. Sie ging zur Polizei und warf dieser nach einiger Zeit allerdings Untätigkeit vor. Die Opfer in den grausamen wie perfiden kriegerischen Auseinandersetzungen sind fast immer Frauen und Kinder. Sebst wenn die Flucht gelingen sollte, ist an ein angstfreies Leben nicht zu denken. Etliche Frauen und Mädchen konnten die unbeschreiblichen Grausamkeiten weder verdrängen geschweige denn verarbeiten und begingen Suizid. Ein Blick in die Vergangenheit gibt zugleich traurig und wütend machende Gewissheit, dass es sich dabei um ein strukturelles und gleichsam grausames Phänomen handelt: Ruanda, Ex-Jugoslawien, Kongo bis hin zu den Martyrien abertausender Jesidinnen im Irak. Unaussprechliche menschenverachtende Gräueltaten, die Frauen und Mädchen, oft bereits im Kindesalter, weltweit erleiden. Nadia Murad prangert die Verschleppung von Frauen gleichsam als Kriegswaffe an und will die Täter zur Rechenschaft ziehen und auch Denis Mukwege kämpft unter hohem Risko dafür, dass Massenvergewaltigungen nicht länger straflos bleiben. Das Osloer Friedensnobelpreis-Komitee sendet mit seiner Entscheidung ein deutliches Signal an die internationale Staatengemeinschaft. Systematischer sexueller Missbrauch ist ein Kriegsverbrechen und die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden!

Treffen Sie Ihre Wahl...

Am kommenden Sonntag, dem 14. Oktober, sind an die 9,5 Millionen Menschen in Bayern aufgerufen Ihre Stimme abzugeben. 51,4 Prozent davon sind Frauen. Im Bayerischen Landtag sitzen momentan 180 Abgeordnete, darunter sind 51 Frauen, das entspricht einem Anteil von 28,3 Prozent. Silke Laskowski, Professorin für Öffentliches Recht in Kassel, sieht die Ursache für die mangelnde Beteiligung von Frauen in den Nominierungsverfahren der Parteien. Vor allem die Parteien, die keine Satzungsvorgaben für die Nominierung haben, stellten nur selten Frauen auf. "Wenn keine Frauen aufgestellt werden, können auch keine gewählt werden. Frauen waren im Bayerischen Landtag noch nie angemessen repräsentiert", so Laskowski.

Gäbe es so etwas wie den bayerischen Durchschnitts-Abgeordneten, er wäre Jurist, Mitte 50 und vor allem männlich. Ein Rückblick zeigt in der Tat: Seit 1946 ist das Landesparlament des Freistaates männerdominiert. Während sich der Anteil von weiblichen Abgeordneten von 1946 mit 1,7 Prozent auf 31,6 Prozent im Jahr 2013 steigerte, ist er seitdem wieder rückläufig. Der aktuelle Frauenanteil liegt sogar noch unter dem von vor zehn Jahren. Die angesprochenen Missstände lassen sich zweifelsfrei mit weiteren Zahlen hinreichend belegen: Nur 51 von 180 Landtagsabgeordneten, 4 von 71 Landräten und 3 von 25 Oberbürgermeistern in Bayern sind Frauen.

Zur Landtagswahl 2013 lag die Wahlbeteiligung bei nur 64,5%. Vielleicht müssen wir fragen, warum Wahlen so unattraktiv für die Bevölkerung geworden sind? Sehen sich die bayerischen Bürgerinnen und Bürger vielleicht durch ihre Abgeordneten nicht angemessen repräsentiert? Gut möglich, denn schließlich wird die eine Hälfte -Frauen- traditionell und auch aktuell im Landtag nicht angemessen repräsentiert. Im Vergleich zur Debatte um die Führungspositionen in der Wirtschaft und die Notwendigkeit gesetzlicher Regelungen verläuft die Diskussion um die Unterrepräsentanz von Frauen in der Politik immer noch sehr im Windschatten der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die DAX-30-Vorstände sind in aller Munde und wurden medial gehörig unter Druck gesetzt. Bei den Landräten und Bürgermeistern wird die männliche Monokultur stillschweigend akzeptiert.

Die EU-Kommission hat dieses Missverhältnis von Männern und Frauen in Wirtschaft und Politik in vielen EU-Mitgliedsstaaten bereits 2013 scharf kritisiert und als undemokratisch bewertet und Maßnahmen von den Mitgliedern gefordert. Mittlerweile gelten gesetzliche Paritéregelungen bereits in acht EU-Mitgliedstaaten und haben dort zu einem höheren Anteil an Parlamentarierinnen beigetragen: Frankreich, Irland, Belgien, Polen, Portugal, Slowenien, Spanien und Griechenland. Klassenprimus Frankreich besitzt hierbei Vorbildfunktion: Seitdem dort im Jahr 2001 das Parité-Gesetz eingeführt wurde, konnte der Frauenanteil in den Kommunalparlamenten von 26 auf 48 Prozent gesteigert werden.

Die Besetzung der Wahllisten nach Parité-Regeln ist daher weniger verständliches Anliegen, denn ein demokratisches Muss. Und dennoch spiegelt sich diese Mehrheit, auch 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts, in unseren Parlamenten, vom Bundestag bis zu den Stadträten nicht annähernd wieder. Ohne gleichberechtigte Parlamente haben Frauen keine, ihrem Anteil an der Bevölkerung entsprechende Repräsentanz, d.h. es gibt keine gleichberechtigte Gesetzgebung, somit keine gleichberechtigte demokratische Gesellschaft, wie sie dem Grunde nach von der Bayerischen Verfassung vorgesehen ist. Bis 1918 spielten die Frauen im deutschen Politikbetrieb keine Rolle. Enthusiastisch strömten sie mit Einführung des Frauenwahlrechts bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 erstmals an die Urnen und machten von ihrem Recht Gebrauch. Über 82 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab. Am Sonntag nun haben Sie die Wahl!

 

Es grüßt Sie herzlich 

Ihre Claudia Schweneker
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

Impressum/Rechtliche Hinweise
Wir freuen uns darüber, wenn Sie uns weiterempfehlen. Wenn Sie Anregungen, Lob oder Kritik haben, wenden Sie sich bitte an f@frauenwerk-stein.de.
FrauenWerk Stein e.V. in der Evang.-Luth. Kirche Bayern, Fachstelle für Frauenarbeit
Deutenbacher Str. 1, 90547 Stein | Tel. (0911) 6806-0 | Fax (0911) 6806-177
Redaktion: Fachstelle für Frauenarbeit

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