Newsletter Nr. 9 vom September 2014

An(ge)dacht

Liebe Leserinnen und Leser!

Am 31.Oktober 2014 wird im Rahmen der Lutherdekade das neue Themenjahr "Bild und Bibel" anlässlich des 500. Geburtstages von Lucas Cranach d. J. (1514-1586) mit einem zentralen Gottesdienst in Münchberg unter Leitung von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner eröffnet. Die Bilder der Cranachs – sowohl des Älteren als auch des Jüngeren – sind weltweit bekannt und prägten wesentlich die Reformation. Auch Frauenbilder sind darunter zahlreich zu finden. Nicht selten werden biblische Szenen inszeniert, die Frauen fast nackt in einer ungewöhnlichen Freizügigkeit zeigen. Damit ging gleichzeitig eine Warnung an die männlichen Betrachter einher, für die solche Bilder gemacht waren: die Warnung vor dem neuen Selbstbewusstsein der Frau und dem "Weiberregiment". Schnell aber setzte sich das neue reformatorische Familienleitbild durch, das Frauen auf ihre Hausfrauen- und Mutterrolle festlegte und den anfänglich kämpferisch für das Anliegen der Reformation eintretenden Frauen das Handwerk legte. Auch diese richtungsgebenden reformatorischen Entwicklungen sprechen bei genauerer Auseinandersetzung aus den Cranachschen Bildern und es bleibt zu hoffen, dass gerade im neuen Themenjahr "Bild und Bibel" die Frauenperspektive stärkere Berücksichtigung findet.


Die Fachstelle für Frauenarbeit wünscht ein schönes Reformationsfest!

Ihre Dr. Andrea König 

Geschlechtergerechte Sprache – Pro und Contra

„Brauchen wir eine geschlechtergerechte Sprache?“ Neutestamentlerin Claudia Janssen und Redakteur Jürgen Wandel beantworten diese Frage in der aktuellen Ausgabe von zeitzeichen kontrovers. Janssen ist Professorin für Neues Testament und geschäftsführende Studienleiterin am EKD-Studienzentrum für Genderfragen in Kirche und Theologie in Hannover. Sie weiß um die Kämpfe, die Frauen und Queere austragen, wenn es um Gleichstellung geht. Dennoch ist ihre Botschaft nicht aggressiv. Laut Janssen verlangen pluralistische Realitäten schlicht nach pluralistischen Begriffen. Einen allumfassenden männlichen Überbegriff empfindet sie daher nicht nur als einengend, sondern sieht in ihm auch die Demonstration eines längst überfälligen Machtgefälles. Sie plädiert für mehr sprachliche Geschlechtergerechtigkeit, die sie als kreative Annäherung an die Diversität unserer Gesellschaft versteht, nicht als neues Dogma. Ob Gender-Gap oder die Endung x, nicht Perfektionismus oder Haarspalterei seien das Ziel, sondern das Einüben eines neuen geschlechtergerechten Denkens. Dieses äußere sich in einer neuen Sprache und werde gleichzeitig von ihr begünstigt: „Wenn wir unsere Sprache verändern, verändern wir uns mit.“

Ganz anders positioniert sich zeitzeichen-Redakteur Jürgen Wandel zu dem Thema. Anstatt sich mit geschlechtergerechten Ausdrucksformen abzumühen, die die deutsche Sprache  „verhunzten und verdunkelten“, ruft er Frauen dazu auf, bewusst maskuline Formen zu benutzen und diese auf sich selbst anzuwenden. Damit drehten sie die ursprüngliche männliche Konnotation um, Worte wie Professor oder Pfarrer implizierten dadurch automatisch weibliche Amtsträgerinnen – oder Amtsträger? Doppelungen wie Christinnen und Christen blähen laut Wandel Texte nur unnötig auf, besonders dann, wenn diese konsequent auf weitere Attribute übertragen werden. Dass geschlechtergerechte Sprache auch queere Identitäten in Worte fassen möchte, lässt Wandel außer Acht. Auch, dass es außer Doppelungen noch zahlreiche weitere Möglichkeiten gibt, Pluralität schriftlich wie mündlich auf elegante Weise abzubilden.

Die Kontroverse in zeitzeichen

Faltblatt „Sie ist unser bester Mann!" Tipps für eine geschlechtergerechte Sprache

Postkartenaktion für Betroffene von Frauenhandel

Postkartenaktion Terre des Femmes

Eine neue Eil-Postkartenaktion von Terre des Femmes richtet sich an den Parteivorsitzenden der SPD Sigmar Gabriel. Ziel der Aktion ist es, die SPD aufzufordern, ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag jetzt umzusetzen und das Aufenthaltsrecht für Betroffene von Frauenhandel zu verbessern. Im Koalitionsvertrag heißt es auf Seite 104: „Wir wollen Frauen vor Menschenhandel und Zwangsprostitution besser schützen […] das Aufenthaltsrecht verbessern sowie eine intensive Unterstützung, Betreuung und Beratung gewährleisten.“ Bereits 2013 hat Terre des Femmes dem damaligen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich knapp 46.000 Unterschriften überreicht, um eine Verbesserung der Situation für Betroffene von Frauenhandel zu erwirken. Dennoch erhalten Opfer von Frauenhandel, die aus Nicht-EU-Staaten stammen, nur dann eine vorübergehende Aufenthaltserlaubnis, wenn sie sich dazu bereit erklären, vor Gericht gegen ihre TäterInnen auszusagen. In vielen Fällen wird jedoch aus Mangel an Beweisen kein Strafverfahren eingeleitet. Betroffene trauen sich meist nicht, als Zeuginnen auszusagen, aus Angst vor ihren TäterInnen und aufgrund ihres unsicheren Aufenthaltsstatus. Spätestens nach Abschluss des Verfahrens erlischt ihre Aufenthaltserlaubnis und die oftmals stark traumatisierten Frauen müssen das Land verlassen. Diese Regelung ist aus menschenrechtlicher Perspektive untragbar. Terre des Femmes ruft daher zur Unterstützung der Aktion auf. Postkarten, die mit der Forderung bedruckt sind, sollen bis zum Tag gegen den Menschenhandel am 18. Oktober 2014 an Sigmar Gabriel verschickt werden. Die Postkarten können unentgeltlich über den Online-Shop von Terre des Femmes bestellt werden.

Jubiläumsausgabe: Arbeitshilfe zum Frauensonntag Lätare 2015

Fast ein Jahr lang war ein Redaktionsteam aus Ehren- und Hauptamtlichen damit beschäftigt, die nächste Ausgabe der Arbeitshilfe zum Frauensonntag Lätare 2015 vorzubereiten Zum 10-jährigen Jubiläum erscheint nun eine besondere Ausgabe, die den Titel "Für dich" trägt. Inspiriert durch das Thema der Lutherdekade "Bild und Bibel" steht das Kreuz im Mittelpunkt. Die Ausgabe orientiert sich auch am Kirchenjahr, so dass sich der darin enthaltene Gottesdienstentwurf besonders zur Durchführung am Laetare Sonntag, den 15. März 2015 eignet. Die Jubiläumsausgabe wird von der Botschafterin für das Reformationsjubiläum Prof. Dr. Margot Käßmann unterstützt und kann ab November kostenlos über die Fachstelle für Frauenarbeit bezogen werden.

Der neue Frauenkalender für 2015 ist da!

Frauenkalender 2015

Der neue Frauenkalender 2015 richtet sich an alle, die Freude an Kunst und inspirierenden Worten haben. Wie gewohnt gibt es für jede Woche ein neues Kalenderblatt mit einem Kunstwerk zeitgenössischer Malerinnen, gepaart mit einem meditativen Zitat. Der Zweiklang von Bild und Text lässt inne halten, neue Kraft schöpfen und lädt zum Nachdenken ein. Einige der Bilder sind Postkarten und können so weiter verwendet werden.

Bezogen werden kann der Kalender über den Verlag Ernst Kaufmann, per E-Mail  an bestellung@kaufmann-verlag.de, telefonisch unter 07821 939024 oder im Buchhandel.

Hier finden Sie weitere Infos zum Frauen-Kalender und zu den Künstlerinnen.

WeiterGehen und Mauern überwinden

WeiterGehen 2015

"Mauern überwinden" ist das Thema des neuen WeiterGehen 2015, angeregt
durch Psalm 18,30 „Mit meinem Gott springe ich über Mauern.“ Der christliche Wochenbegleiter beleuchtet das Thema in seinen unterschiedlichen Facetten. Es ist von Mauern der Einsamkeit und der Vorurteile die Rede, aber auch von nützlichen Schutzmauern, Grund- und Stützmauern. Jeden Sonntag wird ein neuer Bibeltext eingeführt, der an den folgenden Wochentagen kompetent ausgelegt und vertieft wird. Ein treuer Begleiter durch das Jahr - mit neuen Gedanken, Impulsen und Inspirationen zum Nachdenken und Weiterdenken.



Erhältlich beim Verlag Ernst Kaufmann oder im Buchhandel.

Ausstellung: Frauen der Reformation

Anlässlich der Lutherdekade "Bild und Bibel" zeigt die Fachstelle für Frauenarbeit im FrauenWerk Stein e.V. die Ausstellung

"Frauen der Reformation" vom 04. Dezember bis 16. Dezember 2014

Die Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland haben diese Wanderausstellung konzipiert, nun wird sie auch in Bayern einem größeren Publikum zugänglich gemacht. Zu sehen sein werden verschiedene Frauenpersönlichkeiten der Reformation. Darüber hinaus umfassen die Schautafeln wichtige Informationen über die Lebensbedingungen von Frauen in der bewegten Zeit des 16. Jahrhunderts. Persönlichkeiten wie Anna Gräfin von Mansfeld, Catharina von Stolberg oder Ursula Weyda standen in ihrer Bedeutung Jahrhunderte lang entweder im Schatten ihrer Männer oder fanden als ehelose Frauen kaum öffentliches Interesse. Ergänzt wird die Ausstellung durch Informationen zu Argula von Grumbach, die sich regional im Süden Deutschlands durch verschiedene Publikationen aktiv für die Reformation einsetzte und viel Leid erfahren musste.

Am Donnerstag, den 04.12.2014 um 18.00 Uhr wird die Ausstellung mit einem Festakt eröffnet.

Hier können Sie sich anmelden

Studientag Feministische Theologie

Wie ist die Stellung der Frau im Koran? Wie lebt es sich als muslimische Frau in diesem Glauben?

Am Samstag, den 11. Oktober 2014 nähert sich die Fachstelle für Frauenarbeit im Frauenwerk Stein e.V. diesen Fragen mit Blick auf die Frauenbewegung. Am Studientag zur feministischen Theologie

„Hagar mal anders… Feministischer Theologie in fremder Gestalt begegnen“

begeben sich Teilnehmerinnen beider Konfessionen von 10.00 bis 16.00 Uhr in interreligiösen Dialog.

Anmeldungen hier, über Tel. 0911 6806 142 oder per Mail an f@frauenwerk-stein.de

Veranstaltungen

11.10.2014 - Studientag feministische Theologie: "Hagar mal anders..."                                   Feministischer Theologie in fremder Gestalt begegnen

14.11.2014 - Ökumenischer Studientag zur Vorbereitung des Weltgebetstages 2015 "Begreift ihr meine Liebe?"

15.11.2014 - Ökumenischer Studientag zur Vorbereitung des Weltgebetstages 2015 Alternativtermin

22.11.2014 - Seminartag "Häusliche Gewalt - auch in meiner Umgebung? Was betroffene Frauen brauchen"

29.11.2014 - Tanzseminar: "Du bist ein Segen! - Ein Tanz- und BeSINNtag im Advent"

Klinik Sonnenbichl in Aschau wird 25

Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens veranstaltet die Klinik Sonnenbichl in Aschau einen Fachtag für BeraterInnen. Mit dem Thema „Familie im Wandel - Wie beeinflusst das Ihre Beratungsarbeit?“ nimmt die Tagung auf die umstrittene Orientierungshilfe des EKD „Zwischen Autonomie und Anwesenheit“ Bezug.  Was steckt hinter dem sogenannten radikalen Perspektivenwechsel? Was genau hat sich verändert? Welchen Stellenwert besitzt die Familie gegenwärtig für die evangelische Kirche? Was hat die Kirche überhaupt zum Thema Familie zu sagen und kann man daraus für die praktische Beratungsarbeit einen Gewinn ziehen? Diesen und weiteren Fragen wird auf der Tagung nachgegangen, um gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln. Zudem wird es Einblicke in die vielfältige therapeutische Arbeit der Klinik Sonnenbichl geben.

Herbstsynode der ELKB in Regensburg

Vom 23.11. bis 27.11.2014  versammeln sich die Mitglieder der Landessynode zu ihrer 2. Tagung der neuen Synodalperiode in Regensburg. Traditionell fand dabei bisher jeweils am ersten Versammlungstag ein Frauenmittagstisch statt, der mit einer thematischen Schwerpunktsetzung dem Austausch und der Vernetzung diente. Weil die Landessynode keine Vertreterin für Frauenanliegen für die neue Synodalperiode berufen hatte (siehe Stellungnahme der EFB und des Frauenwerks Stein), drohte auch der Frauenmittagstisch als etablierte Institution wegzubrechen. 
Nun haben sich jedoch das FrauenWerk Stein und einige Frauen, die ehemals am Mittagstisch beteiligt waren, zusammengetan und für Montag, den 24.11.2014 wieder einen Frauentisch durchgesetzt. Somit wird diese Tradition weitergeführt.
Im Mittelpunkt des Austausches wird thematisch die Sterbehilfe stehen.

Steiner Jahreskonferenz

Die diesjährige Steiner Jahreskonferenz wird am Samstag, 8. November 2014 im Tagungs- und Gästehaus Stein stattfinden. Eingeladen sind die insgesamt 192 Dekanatsfrauenbeauftragten und Stellvertreterinnen aus ganz Bayern. Die Steiner Jahreskonferenz bietet eine gute Plattform, um Erfahrungen auszutauschen und um über aktuelle Themen zu diskutieren. Sie gibt den Teilnehmerinnen wertvolle neue Impulse für die eigene Frauenarbeit.

Personalia

Ulrike Knörlein

Ulrike Knörlein ist seit 1. September 2014 Referentin für Frauenarbeit in der Fachstelle für Frauenarbeit im FrauenWerk Stein e.V in der Evang-Luth. Kirche in Bayern. Sie studierte evangelische Theologie in Erlangen und Neuendettelsau und absolvierte anschließend einen Bundesfreiwilligendienst in einem Seniorenzentrum, wo sie vorwiegend in der Beschäftigungstherapie und Sterbebegleitung tätig war. Ihre Studienschwerpunkte bildeten Fragen zur Ethik und Feministischer Theologie. Weitere Interessen liegen im Bereich der Kontextuellen Theologie und Gender-Fragen. Den Dienst als Vikarin gab sie vorzeitig auf, um sich stärker der beratenden Tätigkeit und Zusammenarbeit mit Menschen widmen zu können. Ulrike Knörlein wird als Referentin der Fachstelle zukünftig für den Bereich der Dekanatsfrauenbeauftragten zuständig sein und darüber hinaus die zweimal jährlich erscheinende Publikation "Steiner Lose Blätter" für die Gemeindearbeit verantworten.

Bettina Möller

Bettina Möller, Online-Journalistin und Pressereferentin, ist seit 15. September 2014 für die Presse-und Öffentlichkeitsarbeit der Fachstelle für Frauenarbeit im FrauenWerk Stein e.V in der Evang-Luth. Kirche in Bayern zuständig. Gleichzeitig übernimmt sie die Geschäftsführung der Evangelischen Frauen in Bayern EFB. Schwerpunkte ihres Studiums der Germanistik und Romanistik in Köln, Neapel und Erlangen waren Gender Studies, Post Colonial Studies und Literatur der zweiten Generation nach dem Holocaust. Nach dem Studium absolvierte sie eine Ausbildung zur Online-Redakteurin und Online-Pressereferentin an der Stiftung Journalistenakademie in München und vertiefte ihre Kenntnisse in öffentlichkeitswirksamer Kommunikation. Ehrenamtlich unterstützt sie kulturelle Einrichtungen in Pressearbeit und Social Media.

Es grüßt Sie herzlich

Bettina Möller
Öffentlichkeitsreferentin der Fachstelle für Frauenarbeit im FrauenWerk Stein e.V.

Impressum/Rechtliche Hinweise
Wir freuen uns darüber, wenn Sie uns weiterempfehlen. Wenn Sie Anregungen, Lob oder Kritik haben, wenden Sie sich bitte an f@frauenwerk-stein.de.
FrauenWerk Stein e.V. in der Evang.-Luth. Kirche Bayern, Fachstelle für Frauenarbeit
Deutenbacher Str. 1, 90547 Stein | Tel. (0911) 6806-0 | Fax (0911) 6806-177
Redaktion: Fachstelle für Frauenarbeit

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