Gewalt gegen Frauen


In der Krise: Frauenhäuser, Frauennotrufe und -beratungsstellen in Bayern

Die Landesarbeitsgemeinschaft Bayern der Freien Wohlfahrtsplege listet in einem Forderungskatalog die Handlungsbedarfe für die Einrichtungen und Angebote für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder auf. Die grundsätzliche Finanzierung des Frauenunterstützungssystems muss mit Mitteln der öffentlichen Förderung von Land und Kommunen erfüllt werden können und darf den förderrechtlichen Anteil der Träger von grundsätzlich zehn Prozent nicht überschreiten.

Gehören häusliche Gewalt und Missbrauch von Frauen und Kindern in Bayern nach wie vor zu den Tabuthemen? Denn nur so ist es zu erklären, dass Beratungsstellen, Notrufe und Frauenhäuser keine oder nur geringe staatliche Zuschüsse bekommen. Die Zahl der Gewalttaten gegen Frauen und Kinder ist nach wie vor hoch und die bayerischen Frauenhäuser, Frauennotrufe und -beratungsstellen arbeiten seit Jahren an ihrer Kapazitätsgrenze. Einige Einrichtungen stehen vor dem Aus und auch eine vom Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration in Auftrag gegebene Studie stellt fest, dass es in den bayerischen Einrichtungen zunehmend an Platz und Personal fehlt. Eine Bedarfsermittlungsstudie von 2014 zeigt: In den 40 bayerischen Frauenhäusern wurden mehr Frauen abgewiesen als aufgenommen! Die zeitnahe Hilfe aber ist nach einem Übergriff für die betroffenen Frauen und Kinder absolut (über-)lebensnotwendig.

Im Landtagswahljahr 2018 gehören die politischen Parteien in Bayern in die Pflicht genommen.

>>> Forderungen der Freien Wohlfahrtspflege an ein neues Gesamtkonzept zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

Gewalt gegen Frauen ereignet sich weltweit täglich und in verschiedenen Kontexten. Es werden dazu psychische, physische und sexuelle Gewalt gerechnet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) benennt Gewalt gegen Frauen als eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen weltweit. Gewalt gegen Frauen und Mädchen stellt die häufigste Menschenrechtsverletzung weltweit dar (UNICEF-Veröffentlichungen). Einem Bericht der Weltbank zufolge wird mindestens eine von drei Frauen weltweit im Laufe ihres Lebens geschlagen, vergewaltigt oder ist auf andere Weise Gewalt ausgesetzt.

In Deutschland wurden 2015 mehr als 100.000 Frauen Opfer von Gewalt in der Partnerschaft. In 331 Fälle kam es zum versuchten oder vollendeten Mord oder Totschlag einer Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner.

Das Bundesfamilienministerium stellte 2004 die erste repräsentative Studie (Prävalenzstudie) zu Gewalterfahrungen in Deutschland lebender Frauen vor, für die 10.000 Frauen vom Alter von 16 bis 85 zu ihren Gewalterfahrungen umfassend befragt wurden. Ergebnis der Untersuchung war, dass "mindestens jede vierte in Deutschland lebende Frau schon einmal körperliche oder sexuelle Gewalt durch einen Beziehungspartner erlebt hat". Über die Hälfte der von physischer Gewalt betroffenen Frauen erlitt körperliche Verletzungen, ein Drittel dieser Frauen nahm aus diesem Grund medizinische Hilfe in Anspruch. Oft sind Kinder in das Gewaltgeschehen gegen die Mutter involviert.

  • 20 % der Frauen, die in ihrer letzten Partnerschaft Gewalt erfahren haben, gaben als das gewaltauslösende Ereignis die Geburt eines Kindes an, weitere 10 % die Schwangerschaft.
  • 40 % haben seit ihrem 16. Lebensjahr physische oder sexuelle Gewalt oder beides erfahren.
  • 37 % der von körperlicher und 47 % der von sexueller Gewalt Betroffenen haben mit niemandem über die Ereignisse gesprochen. Der Anteile ist noch höher, wenn der Täter der aktuelle oder ein früherer Lebenspartner ist.
  • 25 % haben Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt (häusliche Gewalt).
  • 13 % haben seit dem 16. Lebensjahr strafrechtlich relevante Formen sexueller Gewalt erlitten.
  • 42 % der in Deutschland lebenden Frauen haben psychische Gewalt erlebt (in Form von Einschüchterung, Verleumdungen, Drohungen, Psychoterror).
  • 56 % bis 80 % der Betroffenen haben – je nach Form der Gewalt, besonders aber bei psychischer und bei sexueller Gewalt – psychische Folgebeschwerden (Schlafstörungen, Depressionen, Ängste etc.) davongetragen.

>>> Hier finden Sie weitere Zahlen und Fakten zum Thema Gewalt gegen Frauen

>>> Hier finden betroffene Frauen Hilfe und Beratung 

>>> Hier geht es zum Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland (bff)

Das Team der Fachstelle und vom FrauenWerk Stein mit der Aktionsfahne anlässlich des weltweiten Aktionstages zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen
RSS Abonnieren