"Vom Dunkel ins Licht" - Frauen der Reformation im süddeutschen Raum

Die Ausstellung besteht aus 15 Roll-Ups:

 

Roll-Up 1: Zur Situation von Frauen zur Zeit der Reformation

Hier stehe ich - ich kann auch anders! Dieses Roll-Up führt in die Thematik ein. Es wird gezeigt, dass die Reformation auch auf das Engagement vieler starker Frauen zurückzuführen ist und wie deren Selbstbewusstsein nachhaltig gefördert, gleich- zeitig aber auch ihre Lebensperspektive auf höchst ambivalente Weise verändert wurde. Es wird erläutert, wie sich vielen Frauen, die sich in der Regel nicht am gelehrten Streitgespräch beteiligen konnten, erstmals auch Möglichkeiten boten, sich in die Auseinandersetzungen um den künftigen Weg der Kirche und die rechte Lehre einzumischen. Anhand ausgewählter Beispiele wird veranschaulicht, wie kreativ und manchmal auch brutal die Frauen dabei sein konnten.

Roll-Up 2: Orte der Reformation im süddeutschen Raum

In vierzehn Tagen ganz Deutschland. Dieses Roll-Up thematisiert die gesell- schaftlichen Veränderungsprozesse, die den Beginn des 16. Jahrhunderts kenn- zeichneten, welche Rolle Luthers Theologie dabei spielte und wie es zu einer Veränderung der Machtverhältnisse kam. Es wird gezeigt, wie sich einige Städte besonders früh der Reformation zuwandten und welche herausragende Rolle die Reichsstädte im süddeutschen Raum einnahmen. Als Beispiele werden u.a. Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Rothenburg ob der Tauber beleuchtet.       Auch wird gezeigt, wie sich in weiteren Territorien die Reformation durchsetzte,          ohne dass die Obrigkeiten selbst evangelisch geworden wären.

Roll-Up 3: Frauen als Unruhestifterinnen

Werft den Mönch auch in`s Weihwasser! Dieses Roll-Up zeigt, wie der Unmut über die Missstände in der katholischen Kirche auch die Frauen erzürnte und wie sich ihr Protest gegen Kleriker, Mönche, Nonnen, Riten und Praktiken zu Beginn der Reformation auf vielfältige Weise äußerte. Historische Quellen geben Einblick in die Praktiken von Frauen, die u.a. gezielte Gottesdienststörungen umfassten. Auch wird gezeigt, wie etwa der Gesang in diesen Aktionen gezielt als Störmittel eingesetzt wurde. Eindrückliche Überlieferungen aus Chroniken, wie etwa der Stadt Ausgburg, führen anhand von Einzelbeispielen vor, wie die Frauen in ihrem Einsatz für die causa Lutheri den Männern in ihrer Tatkäftikgeit in nichts nachstanden.

Roll-Up 4: Frauen setzen Zeichen

Den Glauben mutig bekennen. Dieses Roll-Up macht deutlich, auf welche Weise Frauen die Reformation unterstützen. So besuchten sie auch gegen große Widerstände die Gottesdienste evangelischer Prediger und nahmen das Abendmahl unter beiderlei Gestalt zu sich. Damit setzen sie ein deutliches Zeichen ihres Bekenntnisses zum neuen Glauben. In der katholischen Kirche durften nur die Geistlichen aus dem Kelch trinken, Laien blieb dieser verwehrt. Beispielhaft werden Isabella von Österreich, Dorothea von Dänemark und Norwegen, Elisabeth von Dänemark, Norwegen und Schweden und Felicitas von Selmnitz genannt, die gerade durch ihre adlige Herkunft großes Aufsehen erregten.

Roll-Up 5: Frauen und Klöster

Der Klosterstand - Gott unbekannt. Auch dieses Roll-Up berührt einen der zentralen Punkte der reformatorischen Lehre. Während die Menschen zuvor immer in der Not standen, sich durch ein möglichst gottgefälliges Leben den Himmel zu verdienen, bzw. zunächst überhaupt einmal die drohenden Fegefeuerstrafen zu reduzieren, wurde nun mit der Lehre von der unverdienten Gnade Gottes jede menschliche Anstrengung hinfällig. Martin Luther und andere Reformatoren und Reformatorinnen machten deutlich, dass das Seelenheil der Menschen nicht von ihren Werken abhing, sondern ihnen von Gott geschenkt wurde. Damit entfiel auch die Notwendigkeit, ein Klosterleben führen zu müssen.

Roll-Up 6: Frauen als Vorbilder

Von "Mönchshuren" zu Vorzeigefrauen. Dieses Roll-Up zeigt, welche Konsequen- zen das Verlassen der Klöster für Frauen nach sich zog. Wenn eine Nonne als Braut Christi, ihren Konvent verließ, so bedeutete dies einen Bruch ihres Ehegelübdes mit Christus. Mit diesem Vorwurf sahen sich die Nonnen konfrontiert. Die im Zuge der Reformation öffentlich vollzogenen Ehen von Nonnen und Priestern stellten einen Bekenntnisakt dar, der der gegenerischen Seite viel Anlass zu Kritik bot. Katharina von Boras und Martin Luthers Hochzeit war der prominenteste Bekenntnisakt. Katharina wurde zum Prototyp der Mönchshure stilisiert. Welche Folgen solch demonstrative Bekenntnisakte für Frauen hatten, wird an Beispielen gezeigt.  

Roll-Up 7: Frauen als Bildungsträgerinnen

Vom Vorrang und Adel des weiblichen Geschlechts. Mit diesem Roll-Up soll gezeigt werden, welch hohe Bildung Frauen erlangen konnten, wenn ihnen die entsprechenden Möglichkeiten zur Verfügung standen. Die meisten Frauen und Männer im 16. Jahrhundert konnten weder lesen noch schreiben. Die Frauen, die es konnten, setzen diese Fähigkeiten nun ganz im Sinne der Reformation ein. So legten sie selbstständig die Bibel aus, verfassten Lieder und Gebete oder tauschten sich mit anderen Reformatoren über theologische Themen aus. Zu den bekanntesten gebildeten Frauen zählen Caritas Pirckheimer und Olympia Fulvia Morata.

Roll-Up 8: Frauen und Publizistik

Von hohen Gaben in schwachen Gefässe. Die publizistische Beteiligung an der Reformation gestaltete sich für Frauen äußerst schwierig, da sie vor allem davon abhing, welche Bildung den Frauen zugänglich war.Dass Frauen sich öffentlich zu religiösen Streitfragen äußerten, war nicht vorgesehen. Dennoch traten auch einige Autorinnen publizistisch in Erscheinung. Dieses Roll-Up stellt einige dieser Frauen vor, wie z.B. Katharina Schütz-Zell, Argula von Grumbach, Marie Dentière oder Florentina von Oberweimar. Dass Frauen auch noch auf andere Art und Weise im publizistischen Bereich ihren Beitrag zur Verbreitung reformatorischer Schriften, zeigen Beispiele von Schreiberinnen, Buchdruckerinnen und Verlegerinnen.

Roll-Up 9: Frauen und die Täuferbewegunug

Die mit dem Wiedertauf befleckt sind. Dieses Roll-Up beschäftigt sich mit der Täuferbewegung, gegen die von alle Etablierten einschließlich der Lutherischen mit äußerster Brutalität vorgegangen wurde. Die Geschichte der süddeutschen Täufer- bewegung begann mit Thomas Müntzer. Während viele Frauen der Täuferbewegung namentlich nicht bekannt oder nur wenige bis gar keine Informationen über sie erhalten sind, erreichten einige von ihnen einen gewissen Bekanntheitsgrad. Das Roll-Up stellt einige dieser Frauen vor, wie etwa Susanna Daucher oder Sabina Bader aus Augsburg. Zudem werden die Frauen im Schwenckfelder Kreis beleuchtet sowie u.a. Lieddichtungen von Täuferinnen.

Roll-Up 10: Frauen und spiritualistische Strömungen

Nackte Wahrheiten, Träume und Visionen. Dieses Roll-Up thematisiert, wie nach der Niederlage des Bauernkrieges 1525 und dem Zerfall der Täuferbewegung in viele kleine, voneinander separierte Sekten, sich zunehmend auch radikalere Tendenzen herausbildeten. Dabei nahmen auch Frauen entscheidende Rollen ein und traten etwa als Prophetinnen auf. Es werden Beispiele aufgeführt, die eksta- tische Visionen von Frauen zeigen, die als performative Elemente der Interaktion mit der Zuhörerschaft eingesetzt wurden, um ihr prophetisches Auftreten zu legitimieren. Ferner wird die im süddeutschen Raum sich entwickelnde sog. Träumersekte näher beleuchtet, die sich vollkommen in den Bereich der Privatoffenbarungen flüchtete. 

Roll-Up 11: Reformation und Realität

Von der Vision zur Wirklichkeit. Dieses Roll-Up zeigt, dass, wie so oft, die Realität häufig eine andere ist, als ursprünglich erdacht und erhofft. Die Lehre vom „Priestertum aller Getauften“ galt in der Theorie selbstverständlich allen Geschlechtern, doch in der Praxis sollte es noch Jahrhunderte dauern, bis diese zumindest in evangelischen Kirchen umgesetzt wurde. Nachdem sich die Reformation mehr und mehr etablierte, festigten sich auch (wieder) die Rollen von Frauen und Männern. Während Männer studieren und Berufen nachgehen konnten, sollten sich die Frauen zuhause gehorsam um Haushalt und Kinder kümmern. Für geistliche Tätigkeiten blieb da kaum Raum.

Roll-Up 12: Frauen als Stifterinnen

Von Erbinnen zu Förderinnen Dieses Roll-Up nimmt eine weitere Möglichkeit in den Blick, wie Frauen die Reformation unterstützten konnten, indem sie zu Stifterinnen wurden. Ein äußerst florierendes Stiftungswesen existierte bereits zuvor, doch Motivation und Zweck waren grundverschieden. Nach reformatorischer Lehre sollten Stiftungen nun aus Dankbarkeit und zum Nutzen des Gemeinwesens erfolgen und nicht mehr aus Angst um das Seelenheil. Gerade kinderlose wohlhabende Witwen griffen diese Form der Förderung der Reformation auf und stifteten zahlreiche Stipendien für Theologiestudenten. So z.B. Agnes Dürer und Elisabeth Krauß, die in ihren Testamenten ausdrücklich das Ziel ihrer Stiftungen formulierten.

Roll-Up 13: Reformation und Pädagogik

Mädchenschulen, Lehrmeisterinnen, Lieddichterinnen. Dieses Roll-Up macht deutlich, dass Reformation und Bildung Hand in Hand gingen, sollten doch nun möglichst alle Menschen selbst die Bibel lesen können. So forderte Martin Luther ausdrücklich Schulen für Mädchen, wenn auch nur auf elementarer Ebene. Für den Unterricht eigneten sich Frauen, die selbst über eine gewisse Bildung verfügten und daher oft einen klösterlichen Hintergrund hatten. Die Schulmeisterin Magdalena Heymair unterrichtete nicht nur, sondern fertigte zur Erleichterung des Lernens auch entsprechende Liedtexte an, die alle in mehreren Auflagen veröffentlicht wurden. Und Elisabeth Crucigers Lied steht im aktuellen Gesangbuch.

Roll-Up 14: Weitere Entwicklungen vom 16. bis 19. Jahrhundert

Bekenntnisse - Aufbruch - diakonisches Handeln. Dieses Roll-Up zeigt, wie sich u.a. aus der Krise von wirtschaftlicher Depression und Verarmung der unteren Schichten der Gesellschaft heraus der Pietismus entwickelte. Innerhalb dieser Frömmigkeitsbewegung boten sich Frauen neue religiöse Freiräume und Möglichkeiten Führungsverantwortung wahrzunehmen. Neben der Herrnhuter Pietistin Anna Nitschmann werden Beata Sturm aus Württemberg und Anna Vetter aus Mittelfranken vorgestellt. Auch wird auf die Mädchen- und Frauenbildung im 19. Jahrhundert, die zum großen Teil auf das Engagement religiös motivierter Frauen zurückzuführen ist, näher eingegangen.

Roll-Up 15: Vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Frauen erheben ihre Stimmen. Dieses Roll-Up beschäftigt sich mit einem Thema, das in Bayern viele Jahre kontrovers diskutiert wurde: die Frauenordination, die erst 1975 realisiert wurde. Daneben wird, exemplarisch anhand des FrauenWerk Stein e.V., ein Blick auf die Geschichte der kirchlichen Frauenarbeit geworfen und auf die Gegenwart und zukünftige Perspektiven eingegangen. Letztlich wird der Bogen zum Ausgangspunkt der Ausstellung geschlagen, indem deutlich wird, dass in der Thematik „Frau und Kirche“ ein Potential liegt, das Auswirkungen darauf haben kann, wie mit gegenwärtigen Problemen umgegangen und Chancen für die Zukunft entwickelt werden können.  

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